4. Podiumsdiskussion: „Den europäischen Armeen fehlt es massiv an Personal“

Kurz vor der Sommerpause war es imFestsaal nochmals angerichtet: Die 4. Podiumsdiskussion widmete sich diesmal unter der Leitung von Christian Ultsch (MJ 87), Stv. Chefredakteur der „Presse“, der Zukunft der globalen Sicherheits- und Militärpolitik. Gleich vorweg: Das Bild, das gezeichnet wurde, ist nicht rosig. „Europa fehlen im Endeffekt bei einem Ernstfall Hunderttausende Soldaten“, so Sicherheits- und Militäranalyst Stephan Gady, der unter anderem für das Institute for International Strategic Studies (IISS) in London arbeitet und aktuell der Star in internationalen Medien vor allem hinsichtlich seiner Einschätzungen des Ukraine-Krieges ist. „Auf die USA wird derweil nicht mehr so viel Verlass sein wie früher, egal, wer Präsident sein wird, weil Amerika seine Ressourcen in Asien halten muss, um China in Schach zu halten“, fügt er hinzu. In Zahlen würde das laut Gadys Berechnungen bedeuten, dass im Falle eines „Baltikum-Szenarios“, also eines theoretischen Einmarsches Russlands im Baltikum, die USA aktuell maximal 80.000 Soldaten bereitstellen könnten. Darüber hinaus sollte Deutschland aufgrund seiner Größe bis zu 400.000 Soldaten in einer modernen Armee unter Waffen stehen haben, verfehlt dieses Ziel aber mit knapp 180.000 Soldaten deutlich (nur als Vergleich: das österreichische Bundesheer verfügt derzeit über eine Mobilmachungsstärke von rund 55.000 Soldat:innen).

Ebenso am Podium waren der Generalsekretär im Verteidigungsministerium, Arnold Kammel, Neos Abgeordneter Douglas Hoyos sowie der Präsident der Offiziersgesellschaft Wien und Hypo- Niederösterreich-Vorstand Udo Birkner (MJ 83). „Europa muss aufwachen und seine Interessen realpolitisch definieren und verteidigen“, forderte Kammel und ergänzte: „Österreich kann sich gemäß Artikel 23 der Bundesverfassung in vollem Umfang an der gemeinsamen Außen- und Sicherheitspolitik der Europäischen Union beteiligen.“ Unserem Mitglied Udo Birkner lag und liegt daher das Europäische Programm „European Skyshield“ am Herzen. Gleichzeitig erinnerte er sich an Zeiten, in denen jährlich eine respektable Anzahl an Alt-Schotten zu Offizieren im österreichischen Bundesheer ausgebildet wurden und mahnte die Attraktivität des Soldatenberufes ein.

Auch Hoyos drängte darauf, den Berufsstand der Soldaten wieder gesellschaftlich aufzuwerten, darüber hinaus sei die Neutralität nur noch ein „leerer Begriff“. Zuletzt prognostizierte Gady noch seine Einschätzung des Ukraine-Krieges: Der Kreml werde vor E

nde2025 nicht zu ernsthaften Verhandlungen bereit sein, die russische Armee rückt gegen Tschassiw Jar vor, um die Städte Kramatorsk und Slowjansk im Donbass zu erobern. „2024 und 2025 werden zwei weitere schwere Jahre für die Ukraine“. Gady war mehrmals an der Front und reist immer wieder in die Ukraine.

Ferdinand Waldstein-Wartenberg (MJ 03a)

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