Als orthodoxe Schwester im Schottenstift

In der Osterzeit war Sr. Efimija vom orthodoxen Kloster Bigorski in Nordmazedonien für ein paar Wochen zu einem Studien-Aufenthalt in Wien. Sie war in der Oase unseres Stifts zu Gast. Im Folgenden spricht sie über ihre Forschung, ihr Kloster und
ihre Eindrücke von Wien.

Welche ist die Fragestellung Ihrer Dissertation?

Sr. Efimija: Die Fragestellung meiner Doktorarbeit mit dem Titel „Der Platz und die Rolle der orthodoxen Kirche in zeitgenössischen demokratischen Staaten“ liegt an der Schnittstelle zwischen Verfassungsrecht und politischen Systemen. Ich untersuche, wie moderne, auf säkularen Prinzipien gründende demokratische Gesellschaften die tief verwurzelte spirituelle Dimension der menschlichen Natur berücksichtigen können. Dazu gehört die Frage, wo Spannungen zwischen Theologie und Demokratie entstehen, und die Aufgabe, ausgewogene Rechtsmodelle vorzuschlagen, die sowohl die Religionsfreiheit als auch die Menschenrechte achten.

Wie können wir uns Ihr Kloster vorstellen?

Sr. Efimija: Stellen Sie sich einen Ort vor, an dem die Stille eine Stimme hat – die Stimme des Gebets und der Tradition. Seit mehr als einem Jahrtausend ist das Kloster Bigorski ein Treffpunkt zwischen Himmel und Erde, an dem das Ewige in der Gegenwart atmet. Im Zentrum steht unser Abt, Bischof Parthenius, ein geistlicher Vater, dessen Stärke und grenzenlose Liebe die Schönheit zum Leben erwecken, die, wie Dostojewski einmal schrieb, die Welt retten wird. (Das Kloster besteht aus zwei Konventen, jeweils für Nonnen bzw. für Mönche, Anm. d. Redaktion.)

Was hat Ihnen in unserem Kloster und in Wien am besten gefallen?

Sr. Efimija: Ich bin zu wissenschaftlichen Recherchen nach Wien gekommen, aber das wahre Geschenk dieser Reise war die Möglichkeit, in Ihrem Kloster zu wohnen – einem Ort, der abrahamitische Gastfreundschaft ausstrahlt. Ich war tief bewegt von der klösterlichen Disziplin und dem sanften, unerschütterlichen Rhythmus des Gebets sowie von Ihrer Arbeit mit Jugendlichen und der herzlichen Fürsorge, die Sie jeder Seele entgegenbringen.

Wien selbst strahlt Schönheit aus. Während die Stadt großzügig in zeitgenössische Kunst und Kultur investiert, hat mich am meisten beeindruckt, mit welch würdevollem Respekt ihre Bewohner ihr christliches Erbe pflegen. So ist Wien eine lebendige Erinnerung daran, dass Europa in seinem Kern auf tiefen christlichen spirituellen und kulturellen Grundlagen gründet.

Vieles in Wien hat mich nachhaltig beeindruckt. Ich empfinde dies als ein Geschenk Gottes, das durch die Unterstützung meines Abtes Parthenius ermöglicht wurde. Und wie bei allen wirklich bedeutungsvollen Erfahrungen lassen sich die tiefgreifendsten Momente nicht aussprechen, sondern werden still gelebt und dankbar in Erinnerung behalten.

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