Alt-Schotten-Exkursion zu Wiener Industriedenkmälern

Unsere Exkursion am 25. April führte uns zunächst zur 1874-1879 von den Theaterarchitekten Fellner und Helmer errichteten, von den Dimensionen ihres kreuzförmigen Grundrisses (70 x 100 m) dem des Stephansdoms vergleichbaren Universitätssternwarte, einem imposanten Backsteinbau von imperialer Großzügigkeit, der nach wie vor das Institut für Astronomie der Universität Wien beherbergt. Insbesondere das gewaltige Fundament des 1878 von Grubb in Dublin erbauten Refraktors mit 68 cm Linsendurchmesser (damals kurzzeitig das weltgrößte derartige Instrument) mit der seit 1931 elektrisch bewegbaren Kuppel plus Beobachtungsbühne sind sowohl imposante als auch wunderbare Beispiele technischer Ästhetik. Einen dramatischen und an Schuberts Winterreise erinnernden Akzent setzte der rüde durch eine Windböe auf das Blechvordach der Aussichtsterrasse verfrachtete Hut eines unserer Teilnehmer. Von ganz anderem, geradezu bohemehaftem Charme war der Besuch der ehemaligen Fabrik der „Mottenfrass-Verhütungs-Unternehmung ‘Zacherl’“ in der Nusswaldgasse. Dieser ab 1875 vom Urgroßvater Johannes unseres Gastgebers, Architekt Peter Zacherl, begonnene, im damals hoch aktuellen maurisch-historistischen Stil errichtete, denkmalge- schützte Backsteinkomplex wird heute durch Vermietung für Filmaufnahmen und an eine bunte Riege von Künstlerinnen und Künstlern verschiedenster Metiers erhalten. In seinen Glanzzeiten unterhielt das Unternehmen weltweit zahlreiche Niederlassungen, die sein patentiertes, Pyretrum-basiertes Mottenpulver verkauften und verschiedene Dienstleistungen zum Schutz von Textilien vor Ungeziefer anbot. Faszinierend waren u. a. die zahlreichen Memorabilia, die von durchaus aggressivem Marketing, von Comics bis zu „Werbesongs“, zeugen. Der 1. Weltkrieg und DDT setzen auch dieser „Erfolgsstory“ ein Ende. Der reichlich fallende Regen tat der sehr guten Stimmung keinerlei Abbruch und der Ausflug endete beschwingt im Stadtweingut Johannes Müller.

Peter Krall (MJ 72)

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