Am 23. September führte unser Mitglied Georg Adler (MJ 02), der als Europa- und außenpolitischer Berater des österreichischen Bundeskanzlers fungiert, durch die Räumlichkeiten des Bundeskanzleramts, das in den Jahren 1717 bis 1719 nach den Entwürfen von Johann Lucas von Hildebrandt errichtet wurde und anfangs die Bezeichnung Staatskanzlei erhielt. 1814 und 1815 wurde das Haus am Ballhausplatz zum politischen Zentrum Europas und erlebte als Zentrale des Wiener Kongress eine Sternstunde seiner Geschichte. Die Leitung hatte der österreichische Außenminister Clemens Wenzel Fürst Metternich inne. Nach den blutigen Unruhen der Revolution von 1848 zog Fürst Felix Schwarzenberg als Ministerpräsident am Ballhausplatz ein. Von nun ab war „der Ballhausplatz“ Zentralressort der Monarchie. Ab 1919 war das Gebäude Sitz des Bundespräsidenten und Außenministers, seit 1922 auch des Bundeskanzlers. Das Haus blieb vor der gewaltsamen Entwicklung der Ersten Republik nicht verschont. Bei einem Putschversuch illegaler Nationalsozialisten wurde 1934 Bundeskanzler Engelbert Dollfuß im Bundeskanzleramt ermordet. Im Zweiten Weltkrieg wurde der Barockbau durch eine Bombe massiv beschädigt. In den Nachkriegsjahren wurden die Kriegsschäden behoben und die Räume des Bundeskanzlers durch den Architekten Oswald Haerdtl neugestaltet. Ein kleines Detail dieser Arbeit lässt sich als hoffnungsvolles Statement lesen: Über den Fensternischen in den Repräsentationsräumen blicken die Köpfe der Bundesadler zueinander. Einer nach rechts, der andere nach links.
Xaver Marschalek (MJ 93b)
