80. Ordentliche Generalversammlung

80. Ordentliche Generalversammlung

Am 9. April fand im Festsaal die 80. Ordentliche Generalversammlung der Vereinigung der Alt-Schotten statt. Nach dem Totengedenken berichtete Direktor Josef Harold über aktuelle Entwicklungen und Ereignisse aus dem Schulgeschehen und gab einen Einblick in die vielfältigen Aktivitäten des vergangenen Jahres. Im Anschluss ließ Präsident Xaver Marschalek (MJ 93b ) Höhepunkte und Veranstaltungen der Vereinigung Revue passieren. Das vergangene Jahr war geprägt von einem abwechslungsreichen Programm, das von kulturellen Veranstaltungen über Diskussionsabende zu unterschiedlichen Themen bis hin zu den beliebten Business-Lunches reichte. Auch traditionelle Höhepunkte wie der Ball, das Weihnachtsfrühstück sowie der Alt-Schotten-Heurige sind nicht mehr wegzudenken und ziehen zahlreiche Teilnehmer:innen an. Diese bieten nicht nur Gelegenheit zum Wiedersehen, sondern stärken auch den generationsübergreifenden Austausch innerhalb der Gemeinschaft der Alt-Schotten. Nach der Wahl des neuen Vorstands durfte die Vereinigung mit Wolfgang Lutz (MJ 75) einen besonders renommierten Festredner aus unseren Reihen begrüßen. Der Leiter des IIASA und Yidan-Preisträger sprach über die globale demografische Entwicklung und beleuchtete deren gesellschaftliche und wirtschaftliche Auswirkungen. In der anschließenden Diskussion stand insbesondere die Rolle der Bildung als entscheidender Schlüssel für gesellschaftlichen Fortschritt und individuellen Erfolg im Mittelpunkt. Der Abend klang schließlich in angenehmer Atmosphäre bei einem Imbiss und Glas Wein aus und bot den Gästen noch ausreichend Gelegenheit für persönliche Gespräche und den Austausch untereinander.

Edgar Weiland (MJ 89b)

Canaletto und Bellotto Alt-Schottenbesuch im Kunsthistorischen Museum

Canaletto und Bellotto Alt-Schottenbesuch im Kunsthistorischen Museum

Der Venezianer Giovanni Antonio Canal (1697-1768), besser bekannt als Canaletto, konnte auch als Maler fast fotorealistisch genauer und detailreicher Städteansichten seine Wurzeln als Bühnenbildner nicht verleugnen. Mit Hilfe einer Camera Obscura gestaltete er zunächst lichtdurchflutete Bilder seiner Heimatstadt, sowohl großformatige repräsentative als auch intime kleinere, die als „Souvenirs“ für betuchte Reisende auf „Grand Tour“ sehr beliebt waren. In seiner Werkstatt arbeitete auch sein Neffe Bernardo Bellotto (1721-1780), der sich später aus Gründen der Werbewirksamkeit ebenfalls „Canaletto“ nannte. Der Ausbruch des österreichischen Erbfolgekriegs zwang die beiden 1740 nach si- chereren und lukrativeren Märkten Ausschau zu halten. Der Onkel fand in London ein neues Betätigungsfeld, der Neffe, nach Zwischenstationen u. a. in Rom, für zehn Jahre eines als Hofmaler in Dresden. 1759 suchte Bellotto sein Glück in Wien und schuf hier seine berühmten großformatigen Ansichten verschiedener Schlösser insbesondere des Kaiserhauses (Schönbrunn, Belvedere, Schloss Hof), genauso aber intime, im Format kleinere Ansichten der Wiener Innenstadt. Dazu zählt die detailreiche Darstellung einer die Schottenkirche verlassenden Prozession, möglicherweise mit der Schädelreliquie des hl. Sebastian. Beide, Onkel und Neffe, konnten jedoch ihren Reichtum nicht bewahren und starben, nach weiteren Stationen ihrer Wanderschaft, verarmt, Canaletto 1768 in Venedig, Bellotto1780 in Warschau.

Peter Krall (MJ 72)

Leopold Museum: Führung durch die Ausstellung „Wien um 1900. Aufbruch in die Moderne“

Leopold Museum: Führung durch die Ausstellung „Wien um 1900. Aufbruch in die Moderne“

Caroline Rosenauer gelang es bei ihrer Führung am 19. März wieder, mit ihrem sowohl enormen Fachwissen als auch ihrer mitreißenden Begeisterung für alles Schöne und Begeisternde in Kunst in allen ihren Ausprägungen (von Malerei über Architektur, Wohnungsinterieurs bis zu Gläsern und Plakaten) einen großen Bogen, diesmal über „Wien um 1900“, zu schlagen. Am Beginn stand der Historismus mit den Ringstraßenbauten und Hans Makart als prägender Gestalt. Der junge Maler Gustav Klimt emanzipierte sich bald von seinen historistischen Wurzeln und gründete 1897 gemeinsam mit Koloman Moser, Josef Hoffmann und Joseph Maria Olbrich die Wiener Secession als sich von der Tradition abspaltende Künstlervereinigung. Die Wiener Werkstätte übernahm dann ab 1903 die Gestaltung kompletter Interieurs als Gesamtkunstwerke. In er kurzen Zeit dieser Führung war es lediglich möglich, markante Beispiele u. a. aus den Oeuvres Gustav Klimts („Leben und Tod“ aus seiner „goldenen Periode“, einige seiner atmosphärischen Atterseebilder) und zum Schluss des von ihm geförderten Egon Schiele (von der bildlichen Aufarbeitung seiner Jugendtraumata bis zu den Krumauer Veduten) herauszugreifen. Diese Aufbruchszeit endete mit dem Tod der bei- den sowie auch Koloman Mosers im Jahr 1918. Das Meiste der Überfülle dieser Schau musste unerwähnt bleiben – immer wieder zu kommen wird dringend empfohlen!

Peter Krall (MJ 72)

Exkursion der Alt-Schotten zu Otto Wagners Postsparkassengebäude  am 13. Februar 2026

Exkursion der Alt-Schotten zu Otto Wagners Postsparkassengebäude am 13. Februar 2026

Das 1904-1906 und 1910-1912 von Otto Wagner in zwei Bauphasen errichtete Postsparkassengebäude zählt zu Wiens bedeutendsten Gebäuden des Jugendstils. Es wurde ursprünglich als Zentrale der Postsparkasse sowie dann von der BAWAG P.S.K. genutzt und 2013 an die SIGNA Prime Selection verkauft, die 2019 einen Baurechtsvertrag mit der Bundesimmobiliengesellschaft abschloss. Die BIG sanierte das Gebäude 2021-2022, aufbauend auf einer ersten Sanierung 2002-2004 durch das Wiener Büro Hoppe, v.a. sicherheitstechnisch und vermietet es seither an Universitäten, Forschungseinrichtungen etc. (die Österreichische Akademie der Wissenschaften, die Universität für angewandte Kunst, die Johannes Kepler Universität Linz, aber auch an die österreichische UNESCO-Kommission) als Bürostandort für insgesamt rund 2.500 Personen.

Unser Präsident Xaver Marschalek stellte, in einer „Doppelconference“ mit dem BIG-Projektleiter Andreas Stampfer, dieses ikonische Gebäude der Wiener Moderne und der europäischen Architektur der Jahrhundertwende in den städtebaulichen Kontext seiner Bauzeit und betonte Otto Wagners Genie sowohl bezüglich seiner klaren, funktionalen Lösungen, des Einsatzes innovativer Materialien (Eisenbeton, Aluminium, Glasziegel) als auch der Ästhetisierung der technisch-funktionalen Elemente der Architektur. Unser Rundgang führte uns von der Fassade über den glasüberdeckten Kassensaal und die Prunkräume bis in den Schließfachbereich.

Peter Krall (MJ 72)

 

„Juristische Exzellenz im Altschottenheim: Business Lunch mit Prof. Martin Spitzer“

„Juristische Exzellenz im Altschottenheim: Business Lunch mit Prof. Martin Spitzer“

Bei unserem 22. Business Lunch durften wir mit Martin Spitzer (MJ 97b) einen ebenso profilierten wie sympathischen, juristischen Stargast begrüßen. Spitzer ist Professor für Bürgerliches Recht und Zivilverfahrensrecht an der WU Wien und seit Ende 2025 Richter am Fürstlichen Obersten Gerichtshof in Liechtenstein. Zudem ist er Chefredakteur von ÖJZ und ÖJA, Mitherausgeber des Österreichischen Bankarchivs und Autor zentraler Kommentare zum Zivil‑ und Verfahrensrecht. Auch das von ihm mitbegründete Forum für Zivilrecht am Mondsee ist fester Bestandteil der juristischen Fachszene.

Ein ganz besonderes Anliegen ist ihm jedoch die akademische Lehre. Als vielfach ausgezeichneter Hochschulprofessor, Programmdirektor des Jus‑Studiums an der WU und Autor des erfolgreichsten juristischen Lehrbuchs Österreichs sprach er über Aufbau, Entwicklung und Anspruch des WU‑Jusstudiums. Der wachsende Andrang bei begrenzten Studienplätzen ermögliche eine gezielte Auswahl aus den besten Talenten, wobei er exzellente Deutschkenntnisse als unverzichtbare Grundlage juristischer Arbeit hervorhob –ganz im Sinne der langen Tradition des Schottengymnasiums als Kaderschmiede der Juristerei.

Neben Lehre und Rechtsprechung ist Prof. Spitzer auch als Experte sehr gefragt, unter anderem bei der zivilrechtlichen Aufarbeitung komplexer Massenschäden wie etwa dem Dieselgate-Skandal.

Großes Interesse fanden schließlich seine Ausführungen zur richterlichen Tätigkeit in Liechtenstein. Fachlich besonders reizvoll sei dabei die besondere Mischung aus schweizerischem Recht und historisch-österreichischer Zivilrechtsprechung. Persönliche Eindrücke von seinem Antrittsbesuch bei der fürstlichen Familie im Schloss Vaduz rundeten den Austausch ab.

Ein Business Lunch, der juristische Exzellenz und gelebte Praxisnähe eindrucksvoll vereinte.

Maximilian Attems-Gilleis (MJ01)

21. Business Lunch mit ÖRAK-Ehrenzeichenträger Dr. Georg Adler

21. Business Lunch mit ÖRAK-Ehrenzeichenträger Dr. Georg Adler

Dieser Business Lunch im Alt‑Schottenheim stand ganz im Zeichen von Politik, Europa und Verantwortung. Mit Dr. Georg Adler, MSc Oxford (MJ 02a) durften wir einen Gast begrüßen, der wie kaum ein anderer den Weg von der juristischen Praxis ins Zentrum politischer Entscheidungsprozesse verkörpert.

Nach Studien in Wien und Oxford, einer Assistententätigkeit an der WU-Wien sowie anwaltlicher Praxis in Wien und London wechselte Georg in die Politik. Seit 2021 wirkt er im Bundeskanzleramt – zunächst unter Bundeskanzler Karl Nehammer, aktuell als außen‑ und europapolitischer Berater von Bundeskanzler Dr. Christian Stocker.

Im Gespräch gewährte er eindrucksvolle Einblicke in die Zusammenarbeit mit drei Bundeskanzlern, die Spannungsfelder zwischen Beratung und politischer Umsetzung sowie die Herausforderung, notwendige Reformen auch über Wahlzyklen hinaus zu denken. Einen besonderen Schwerpunkt bildete das Thema Europa im Spannungsfeld zunehmender nationaler Tendenzen. Sinngemäß betonte Adler, dass europäische Politik nur dann tragfähig sei, wenn sie politisch verständlich vermittelt werde – nach innen wie nach außen. Darüber hinaus wurden komplexe politische Problemfelder wie Binnenmarkt, Förderstrukturen, Föderalismus sowie Reformbedarf bei Pensionen und im Gesundheitswesen offen und lebhaft in der Runde diskutiert.

Abschließend würdigte der anwesende Präsident des Österreichischen Rechtsanwaltskammertags, unser Mitglied Dr. Armenak Utudjian (MJ 82b), die außergewöhnlichen Verdienste Georg Adlers um die österreichische Rechtsanwaltschaft. Das ihm verliehene ÖRAK‑Ehrenzeichen stellt die höchste Auszeichnung des Berufsstandes dar und ist auf 25 lebende Träger beschränkt.

Ein Business Lunch, der eindrucksvoll zeigte, wie juristische Expertise, politisches Engagement und europäische Perspektive einander bereichern.

 

Maximilian Attems-Gilleis (MJ01)

Netzwerken im Turnsaal – 1. Gala-Dinner in Black-Tie und weißen Sneakers

Netzwerken im Turnsaal – 1. Gala-Dinner in Black-Tie und weißen Sneakers

„Die Alt-Schotten sind richtig cool geworden“ – Selbstlob würde stinken, aber dies war nur eines von vielen positiven Feedbacks unserer ersten mutigen Teinehmer:innen des 1. Gala-Dinners. 80 Alt-Schotten, davon zehn Alt-Schottinnen, waren im Turnsaal der Schule zugegen, um sich bewussten Networkings in „geschützter Atmosphäre“ bei gesetztem Essen hinzugeben. Drei-Gänge-Menü an zehn eingedeckten Tischen, künstliches Kerzenlicht am Tisch, verdunkelter Turnsaal in Kombination mit indirektem Licht und Discokugel sowie Hintergrund-Musik durch Axel Becker (MJ 93a). Nach dem Prinzip Zufall waren die Gäste gesetzt, wobei zur Hauptspeise der Gong geschlagen wurde, um die Nachspeise an einem anderen Tisch einzunehmen. Nachdem jeder Gast für den Start einen Basketball in den dazugehörigen Korb werfen musste (von 80 haben zwei getroffen…), wurde der Abend durch Abt Nikolaus (MJ 83b) in Form eines eigenen Abendgebets eröffnet (er hatte sich extra noch online weiße Sneakers besorgt), danach übernahm Direktor Josef Harold zum Status der Schule und zum Ende gaben Kuratoriumsvorsitzender Johannes Guschlbauer (MJ 82a) sowie Kuratoriumsmitglied Markus Spiegelfeld (MJ 71) ihre Eindrücke zu den Alt-Schotten wider, damit der ehemalige Präsident der Alt-Schotten, Christian Gassauer-Fleissner (MJ 75), und Xaver Marschalek (MJ 93b) als aktueller  Präsident die Schlussworte halten konnten.

 Lustig war’s – nächstes Jahr brauchen wir einen Sponsor sowie 150 Gäste!

Ferdinand Waldstein-Wartenberg (MJ 03a)

Fotos vom Galadinner: https://www.picdrop.com/milaeder/xYWH433CCu

 

 

 

Kulturwanderung: Bach in Tullnerbach

Kulturwanderung: Bach in Tullnerbach

Die Kulturwanderung „Bach in Tullnerbach“ von Tullnerbach-Pressbaum bis zur Marienkirche Irenental war wirklich wunderschön. Die dabei begleitenden forstwissenschaftlichen Ausführungen durch Harald Brenner vom Biosphärenpark Wienerwald waren zusätzlich äußerst interessant. Die instrumentale musikalische Untermalung war geradezu idyllisch. Ein Dank an die Organisation durch Lukas Haselböck (MJ 90a). Insgesamt also ein gelungener und wundervoller Alt-Schotten-Nachmittag bei herrlich frühsommerlichem Wetter. Diese Veranstaltung verlangt daher unbedingt nach einer Fortsetzung!

Alexander Twardosz (MJ 91b)

Tradition verpflichtet –  Alt-schotten zeigen sich großzügig beim Weihnachtsfrühstück

Tradition verpflichtet – Alt-schotten zeigen sich großzügig beim Weihnachtsfrühstück

Wenn beim Weihnachtsfrühstück der Alt-Schotten am 24. Dezember der Spendenhut durch die Reihen geht, steht das Christkind schon vor der Tür. Auch heuer wurde wieder für den wohltätigen Zweck unseres Kollegen Tomas Kaupeny (MJ 76) gesammelt, der sich seit Jahrzehnten für Menschen am Rand unserer Gesellschaft einsetzt. Nach unserem traditionellen Treffen konnte die beeindruckende Summe von 5.200 Euro, zu der später noch weitere Spenden kamen, überreicht werden. Diese Unterstützung bedeutet für viele Betroffene ein Aufatmen, konkrete Hilfe im Alltag und neue Hoffnung. Tomas Kaupeny zeigte sich tief bewegt und dankte allen Spendern herzlich für ihre Großzügigkeit. Möge der Segen dieser Hilfe auf vielfältige Weise zu euch zurückkehren. Ein aufrichtiges „Danke“ und „Vergelt’s Gott“ an alle, die diese Tradition der Solidarität Jahr für Jahr lebendig halten.

Edgar Wieland (MJ 89b)

Franz Xaver Messerschmidt. Mehr als Charakterköpfe

Franz Xaver Messerschmidt. Mehr als Charakterköpfe

Im Unteren Belvedere, 20. November 2025

Der 1736 geborene und in München und Wien ausgebildete Bildhauer Franz Xaver Messerschmidt begann seine Karriere mit dem Verzieren von Kanonen und erwarb bald die Gunst Kaiserin Maria Theresias, deren Auftrag für zwei lebensgroße Statuen von ihr und ihrem Mann Franz Stephan I. 1766 den Höhepunkt seiner Laufbahn darstellten. Ab etwa 1769 trat an die Stelle barocker Repräsentationsbüsten die vom Geist der Aufklärung geprägte schmucklose Darstellung des Menschen als Individuum, erlebbar durch zahlreiche Portraitbüsten prominenter Zeitgenossen.

Nach der Verweigerung der ihm in Wien versprochenen Akademieprofessur widmete sich Messerschmidt ab 1777 in seinen letzten sechs Lebensjahren primär der Darstellung von Stimmungen, oft zu grotesken Grimassen verzerrt: Den berühmten 52 Charakterköpfen, auf die sein Werk oft zu Unrecht reduziert wurde und wird. Die Ausstellung im Unteren Belvedere stellt den Künstler in den Kontext ihn beeinflussender Vorläufer und Zeitgenossen und räumt fundiert mit dem Mythos des verrückten Genies auf.

Peter Krall (MJ 72)