Der heimische Kapitalmarkt eine Podiumsdiskussion mit Bürgermeister Michael Ludwig

Der heimische Kapitalmarkt eine Podiumsdiskussion mit Bürgermeister Michael Ludwig

1 Jahr sind Franz Patay und ich dem Herrn Bürgermeister Dr. Michael Ludwig nachgelaufen, um ihn für eine Podiumsdiskussuion zu gewinnen. Als wir dann schon damit nicht mehr gerechnet hatten und eine Diskussion zum heimischen Kapitalmarkt mit Stefan Neubauer, CEO Kathrein Privatbank, unserem Generalsponsor, Meinungsforscher Peter Hajek, Studienautor des jährlichen Aktienbarometers der Industriellen-Vereinigung unter der Leitung von Susanne Bickel, DIE PRESSE angesetzt hatten, war nur mehr noch die Zusage von Investment Punk Gerald Hörhan offen.

Was geschah? Aus dem Nichts flatterte genau eine Terminmöglichkeit mit dem Herrn Bürgermeister herein – und wir wagten das Experiment – der Bürgermeister beehrte den Festsaal des Schottengymnasiums, um zum Kapitalmarkt zu sprechen. Dabei musste er gleich in der Eingangsfrage durch die Moderatorin auf die Forderung zur Abschaffung der Maastricht-Kriterien durch seinen Stadtrat Hacker eingehen: „Ja, es reiben sich alle an Wien, aber die Pro-Kopf Verschuldung in Wien befindet sich trotz der längst anhaltenden Rezession im österreichischen Schnitt, wir dürfen nicht vergessen, Wien ist Stadt und Gemeinde gleichzeitig“, so der Bürgermeister und präzisiert: „Wir fordern aber, dass gewisse Investitionen, wie die in soziale Infrastruktur aus den Maastricht-Kriterien rausgenommen werden. Prinzipiell sind wir nicht gegen den Kapitalmarkt, wir sind gegen den Kapitalismus und für die soziale Marktwirtschaft. Darüber hinaus muss der Kapitalmarkt in Wien noch mehr gestärkt werden, da viele unserer Betriebe hier eine Brückenkopffunktion nach Zentral- und Osteuropa haben“

Für den Meinungsforscher Hajek beginnt es an der Basis: „30% der Österreicher halten Wertpapiere, aber es gibt traditionell Zurückhaltung gegenüber dem Kapitalmarkt, weil entweder kein Vertrauen voherrscht, zu wenig Wissen vorhanden ist oder tatsächlich zu wenig Rücklagen da sind“. Interessanterweise ist der Anteil jener beim heimischem Aktienbarometer, die Wertpapiere halten zu 40% jeweils aus Haushalten, die „Grün“ oder „NEOS“ wählen, dann 30% der ÖVP zugetan, 25% der SPÖ und nur 20% der FPÖ. Insgesamt haben noch immer 56% de facto das komplette Geld am Sparbuch liegen.

Da stellt es Stefan Neubauer naturgemäß die Haare auf: „Wer vor 30 Jahren sein Vermögen auf das Sparbuch gelegt hat, der hat sein Vermögen inzwischen halbiert, dagegen steht eine durchschnittliche Aktienperformance von 7.5% pro Jahr in den letzten 120 Jahren“, rechnet der Banker vor und ergänzt: „Was jedoch in den letzten 15 Jahren erkennbar wurde, ist der Trend, dass Unsicherheiten bei Rückschlägen am Kapitalmarkt nur kurz vorherrschen, da inzwischen solche Ausschläge nach unten genutzt werden, um „nachzukaufen“ bzw. zu günstigeren Kursen einzusteigen“.  

Dem stimmt Ludwig zu: „Die Krisen 2002 als auch 2008 haben gezeigt, dass sich der Kapitalmarkt in Folge wieder stabilisiert hat, nur wie gesagt, es gibt einen großen Unterschied zwischen Kapitalismus und sozialer Marktwirtschaft. Die jetztige Regierung ist noch zu kurz im Amt, um zu zeigen, was sie für die soziale Marktwirtschaft tun will“.

Hajek und Neubauer schlagen in ihren Forderungen an die Politik in die gemeinsame Kerbe, dass es wie in Ländern zB Schweden eine kapitalmarktgedeckte 1. Säule der Vorsorge geben sollte sowie steuerliche Anreize für Investitionen in den Kapitalmarkt als auch massive Investitionen in die Finanzbildung. „Wir sollten schneller den je agieren, denn es liegen 300 Milliarden Euro auf Österreichs Bankkonten herum und in der EU insgesamt 12.000 Milliarden, die nicht investiert sind“, unterstreicht Neubauer.

Von Ferdinand Waldstein-Wartenberg MJ 03a

 

7. Podiumsdiskussion: Mental Health – wie steht es um die Psyche unserer Jugend?

7. Podiumsdiskussion: Mental Health – wie steht es um die Psyche unserer Jugend?

Drei Jahre ist es her, da fand im Festsaal des Schottengymnasiums der erste „mental health day“ statt. Schon damals war Paul Plener, der Leiter der Kinder und Jugendpsychiatrie des AKH vor Ort. Heuer, am 6. März 2025, war er einer von vier Gästen der 7. Podiumsdiskussion der Alt-Schotten zum Thema: „Mental Health – wie steht es um die Psyche unserer Jugend?“ Damals wie heute betonte der wohl bekannteste Kinder- und Jugendpsychiater des Lan- des, dass man jeden Menschen, um den man sich sorgt, darauf auch ansprechen darf. Über Themen aus der Welt der Psyche zu reden ist der erste Schritt um zu helfen. Josef Harold als Direktor beschrieb dazu die konkreten Angebote des Gymnasiums von der Schulpastoral über die Schulärztin bis zur Schüler:innen-Band und den Aufführungen des Schottentheaters. Es ginge der Schule nicht nur um Wissensvermittlung, sondern eben auch um Menschenbildung. Anna Nowshad vom Unternehmensberater Deloitte bestätigt in diesem Zusammenhang den Wunsch der Betriebe nach selbstbestimmten Mitarbeiter:innen. Noten und Zeugnisse beschreiben allenfalls erworbenes Wissen. Aber wie steht es mit Resilienz und Innovationskraft? Paul Plener betont, dass die Voraussetzungen für psychisches Wohlbefinden gar nicht so weit weg von unser aller Alltag sind: Es geht um regelmäßige Bewegung, um bewusste Ernährung, um ausreichend Schlaf und um soziale Beziehungen. Bruno Szmolyan, als Schulsprecher ebenfalls am Podium, spricht sich jedenfalls für einen Beginn um 9:00 Uhr aus. Für psychisches Wohlbefinden ist ein „Wir“- Gefühl enorm hilfreich. Ein „Wir“-Gefühl, das entsteht, wenn die Regeln für den Umgang mit dem Handy gemeinsam entwickelt werden. Wenn jede und jeder so sein kann, wie er oder sie möchte (solange niemand die Freiheit des Anderen beeinträchtigt) und damit jede Form von Mobbing schon im Keim erstickt wird. Das sich eben nicht durch Statussymbole formuliert, sondern durch das Wissen, dass eine Gemeinschaft, wie die bei den Schotten, auch in Momenten der Krise Halt geben kann. Denn „anders sein“ ist nicht gut oder schlecht, sondern „anders sein ist einfach nur anders“. Weitere Informationen zu den „mental health days“ und zur „mental health days Studie 24“ zum psychischen Wohlbefinden österreichischer Lehrlinge und Schüler:innen finden sich unter folgendem Link: https://www.mentalhealthdays.eu

Golli Marboe (MJ 83b)

6. Podiumsdiskussion – Journalisten und Politikberater – Die Nationalratswahlen sind geschlagen, was jetzt?

6. Podiumsdiskussion – Journalisten und Politikberater – Die Nationalratswahlen sind geschlagen, was jetzt?

Ich will diesmal nur etwas beschreiben, was sich so alles zwischen einer Podiumsdiskussion im Festsaal und dem Erscheinungstermin des nächsten SCHOTTILLION tun kann. Unter der Leitung unseres Mitgliedes Rudolf Mitlöhner (MJ 83b), „Kurier“, fand die inzwischen 6. Diskussion bei uns im Festsaal statt, bei der sich Oliver Pink, Innenpolitik-Leiter der „Presse“, Petra Stuiber, Stv. Chefredakteurin „Der Standard“, sowie Barbara Tóth, „Falter“ mit Andreas Unterberger (Blogger, ehemaliger Chefredakteur die „Presse“ und „Wiener Zeitung“ und Vater von drei Alt-Schotten) und Heidi Glück, ehemalige Pressesprecherin und Beraterin von Wolfgang Schüssel, austauschten. Dabei war man sich fast einig, dass Herbert Kickl eigentlich froh ist, nochmals fünf Jahre Opposition zu spielen, damit er dann bei den nächsten Wahlen durchmarschieren kann. So weit so gut; seit dem Zeitpunkt der Diskussion bis hin zur Erscheinung dieser SCHOTTILLION-Ausgabe hat sich doch etwas getan – die FPÖ hat eine weitere Landtagswahl gewonnen und der Druck steigt, dass Österreich mit Ach und Krach die erste Dreierkoalition erfolgreich besiegelt, in der Rot und Schwarz hoffentlich nicht nur den kleinste gemeinsamen Nenner suchen und Neos hoffentlich mehr als nur ein „Anhängsel“ ist.
Weiters ist inzwischen die große Ampelschwester in Deutschland explodiert, Donald Trump hat die US-Wahlen deutlich gewonnen und kann möglicherweise vier Jahre ohne Wenn und Aber über Senat und Repräsentantenhaus regieren, sämtliche Richter und Staatsanwälte entlassen, die gegen ihn ermitteln bzw. Richter auf Lebenszeit ernennen, die ihm wohlgesonnen sind.
Kehren wir wieder zurück nach Österreich, die FPÖ ist inzwischen mit der ÖVP in Vorarlberg, Salzburg, sowie Niederösterreich in einer Koalition und möglicherweise dann auch in der Steiermark. Auf europäischem Level gibt es neben einem führungslosen Deutschland ein „Lame duck – von Gnaden
Marine LePen-Frankreich“, ein Spanien auf wackligen Füßen unter Sanchez III, ein Vereinigtes Königreich, das den Brexit mehr denn je bekräftigt hat, Niederlande ähnlich wie Frankreich unter den Gnaden eines einzelnen, nämlich derer von Geert Wilders. Viktor Orbán fest im ungarischen Sattel,
Giorgia Meloni fest im italienischen und dabei fleißig mit Albanien Flüchtlingscamps vor Ort bauend. Wen haben wir noch? Naja, Krieg in der Ukraine, Krieg in Israel, weiterhin Säbelrasseln zwischen China und Taiwan, afrikanische Despoten am gleichen Kontinent auf dem Vormarsch. Südamerika und Australien lasse ich jetzt mal außen vor. Noch etwas? Ah ja, sofern Hans Peter Doskozil seine Stimme behält, wird auch er demnächst mit der FPÖ in eine Koalition gehen, schauen wir mal, was nächstes Jahr in Wien passieren wird. Ja, die Welt dreht sich – ich weiß nicht, wohin und ich weiß nicht, ob mir die Richtung gefällt, aber was ich definitiv weiß, ist, dass wir umso mehr politisieren, diskutieren und
uns engagieren müssen! Wir freuen uns auf euren Besuch der nächsten Diskussionen im Jahr 2025!
Herzlichst, euer Ferdinand

Ferdinand Waldstein-Wartenberg (MJ 03)

5. Podiumsdiskussion – „Die Rolle(n) der Frau in Beruf, Gesellschaft und Familie“

5. Podiumsdiskussion – „Die Rolle(n) der Frau in Beruf, Gesellschaft und Familie“

die rolle der frau ist unergründlich

Es ging um das Frauenbild – dies ist so komplex wie die 4,6 Millionen Frauen in Österreich. Ein Diskussionsabend in der Wahlwoche (Anm.: Nationalratswahl 2024) ist schwierig zu besetzen. Beachtlich also, welche Persönlichkeiten sich Dienstagabend ins Schottengymnasium begaben, um „die Rolle der Frau in der Gesellschaft“ zu besprechen. Auch wenn man gleich zu Beginn erkennen musste: Die Aufgabenstellung ist nicht zu lösen, Frauen und ihre Rolle sind gerade im Jahr 2024 kaum fassbar – zu heterogen ist die Gruppe, zu komplex die Gesellschaft, als dass sich darauf einfache Antworten finden ließen. Dem Unterfangen, die Rolle der Frau zu ergründen, stellten sich Persönlichkeiten aus Politik und Wirtschaft. Unter der Leitung des KURIER (bzw. der Autorin dieses Textes) entwickelte sich ein umfassendes Bild, vielfältig und spannend. Für Lisa-Marie Fassl, Gründerin von Female Founders, ist der Grund allen Übels die hohe Teilzeitquote unter Frauen. Über 50 Prozent arbeiten nur halbtags, mit allen Konsequenzen und finanziellen Einbußen – jetzt und später in der Pension. Auch für Maria Neumann, Abgeordnete zum Nationalrat und Unternehmerin, ist das eigene Einkommen auch der Schlüssel für das selbstbestimmte Leben. Sie pocht auf mehr Kin-derbetreuungsplätze und mehr Kenntnis über die Möglichkeit des Pensionssplittings. Korinna Schumann, ÖGB-Vizepräsidentin, will sogar einen Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz ab dem 1. Lebensjahr und fordert, dass die Väter viel mehr in die Pflicht genommen werden. Aus ihrer Sicht würden 80.000 Frauen in Teilzeit mehr arbeiten wollen, können dies aber wegen der fehlenden Kinderbetreuung nicht. Ines Holzegger, Neos, wünscht sich viel mehr weibliche Vorbilder und weniger negative Imagezuschreibungen („Rabenmutter“) für Frauen, dass es in den Social Media vermehrt Bilder von „Trad Wifes“ gibt (traditionellen Ehefrauen), findet sie irritierend. Viktoria Kickinger, Aufsichtsrätin und Unternehmerin, kennt Schweden als Vorbild, wo Karrieren für Männer nur möglich sind, wenn man auch Karenzzeit in Anspruch genommen hat. Eine Aufwertung der Familienzeit für Mann und Frau ist aus ihrer Sicht überfällig. Sebastian Oberzaucher, Partner bei Wolf Theiss, sieht in seiner Kanzlei den Karriere-Knick bei Frauen und auch, dass sich Frauen selbst, bei Gehaltsverhandlungen und Karriereschritten, immer bescheidener zeigen als Männer.

von Sandra Baierl, seit 2006 Ressortleiterin im KURIER. Aktuell für die Bereiche JOB & BUSINESS, IMMO und MOBILITÄT verantwortlich und Moderatorin der 5. Diskussion

4. Podiumsdiskussion: „Den europäischen Armeen fehlt es massiv an Personal“

4. Podiumsdiskussion: „Den europäischen Armeen fehlt es massiv an Personal“

Kurz vor der Sommerpause war es imFestsaal nochmals angerichtet: Die 4. Podiumsdiskussion widmete sich diesmal unter der Leitung von Christian Ultsch (MJ 87), Stv. Chefredakteur der „Presse“, der Zukunft der globalen Sicherheits- und Militärpolitik. Gleich vorweg: Das Bild, das gezeichnet wurde, ist nicht rosig. „Europa fehlen im Endeffekt bei einem Ernstfall Hunderttausende Soldaten“, so Sicherheits- und Militäranalyst Stephan Gady, der unter anderem für das Institute for International Strategic Studies (IISS) in London arbeitet und aktuell der Star in internationalen Medien vor allem hinsichtlich seiner Einschätzungen des Ukraine-Krieges ist. „Auf die USA wird derweil nicht mehr so viel Verlass sein wie früher, egal, wer Präsident sein wird, weil Amerika seine Ressourcen in Asien halten muss, um China in Schach zu halten“, fügt er hinzu. In Zahlen würde das laut Gadys Berechnungen bedeuten, dass im Falle eines „Baltikum-Szenarios“, also eines theoretischen Einmarsches Russlands im Baltikum, die USA aktuell maximal 80.000 Soldaten bereitstellen könnten. Darüber hinaus sollte Deutschland aufgrund seiner Größe bis zu 400.000 Soldaten in einer modernen Armee unter Waffen stehen haben, verfehlt dieses Ziel aber mit knapp 180.000 Soldaten deutlich (nur als Vergleich: das österreichische Bundesheer verfügt derzeit über eine Mobilmachungsstärke von rund 55.000 Soldat:innen).

Ebenso am Podium waren der Generalsekretär im Verteidigungsministerium, Arnold Kammel, Neos Abgeordneter Douglas Hoyos sowie der Präsident der Offiziersgesellschaft Wien und Hypo- Niederösterreich-Vorstand Udo Birkner (MJ 83). „Europa muss aufwachen und seine Interessen realpolitisch definieren und verteidigen“, forderte Kammel und ergänzte: „Österreich kann sich gemäß Artikel 23 der Bundesverfassung in vollem Umfang an der gemeinsamen Außen- und Sicherheitspolitik der Europäischen Union beteiligen.“ Unserem Mitglied Udo Birkner lag und liegt daher das Europäische Programm „European Skyshield“ am Herzen. Gleichzeitig erinnerte er sich an Zeiten, in denen jährlich eine respektable Anzahl an Alt-Schotten zu Offizieren im österreichischen Bundesheer ausgebildet wurden und mahnte die Attraktivität des Soldatenberufes ein.

Auch Hoyos drängte darauf, den Berufsstand der Soldaten wieder gesellschaftlich aufzuwerten, darüber hinaus sei die Neutralität nur noch ein „leerer Begriff“. Zuletzt prognostizierte Gady noch seine Einschätzung des Ukraine-Krieges: Der Kreml werde vor E

nde2025 nicht zu ernsthaften Verhandlungen bereit sein, die russische Armee rückt gegen Tschassiw Jar vor, um die Städte Kramatorsk und Slowjansk im Donbass zu erobern. „2024 und 2025 werden zwei weitere schwere Jahre für die Ukraine“. Gady war mehrmals an der Front und reist immer wieder in die Ukraine.

Ferdinand Waldstein-Wartenberg (MJ 03a)

3. Podiumdiskussion – Rekordbesuch im Festsaal!

3. Podiumdiskussion – Rekordbesuch im Festsaal!

Es wäre jetzt zu sehr „auf-die-eigenen-Schultern-Klopfen“, wenn man diesen Artikel mit „das Format zieht einfach…“ begänne – viel mehr muss man einfach sagen, wenn Finanzminister Magnus Brunner, ÖVP, und Stadtrat Peter Hacker, SPÖ, das Podium zum Thema „Finanzierung des Wohlfahrtsstaates“ beglücken, dann ist es einfach angerichtet. Flankiert von unserem Mitglied Martin Waldhäusl, (MJ 85b), CEO, MTH Management Trust Holding, und Schwiegersohn des ehemaligen Spitzenpolitikers Josef Taus, Professor Monika Köppl-Turyna, EcoAustria, Markus Marterbauer, Chefökonom der Arbeiterkammer, führte Christian Ultsch, (MJ 87b), stv. Chefredakteur, Die Presse, mit scharfer Zunge durch den Abend. Erstmalig hatten wir neben den großzügigen Sachspenden durch Coca-Cola, Müllers Heuriger und Weingut, Die Presse und das Schwarze Kameel auch Sponsoren, die uns „harte Münzen“ überwiesen haben, nämlich Raiffeisen Capital Management und Pitkowitz & Partners – vielen Dank nochmals an dieser Stelle! Nun zur Diskussion: „Aufgrund von Corona und der Energie-Krise hat sich ein Sucht- verhalten nach Leistungen durch den Staat gebildet“, startet Minister Brunner die Diskussion, „der Wohlfahrtsstaat ist sehr ausgeprägt hier- zulande, aber Leistung muss sich einfach wieder lohnen und daher müssen wir Leistungsanreize setzen und z. B. Sozialversicherungsbeiträge senken“. Peter Hacker, durchaus schaumgebremst an diesem Abend und Markus Marterbauer die ideologischen Standpunkte überlassend, bemängelte die Effizienz des Wohlfahrtsstaates: „Wir sollten uns die Frage stellen, was die Alternative zum Wohlfahrtsstaat ist. Aber was auch klar ist: Der Wohlfahrtsstaat in Österreich hat ein Effizienz- und Finanzierungsproblem. Das Beispiel Gesundheit zeigt die Extreme, denn Gesundheit ist eine Frage der Scheckkarte geworden“. Gleichzeitig bemängelt Hacker, dass man sich in der Diskussion nicht traut, über die parteipolitischen Schatten zu springen. Peter Marterbauer sieht im Wohlfahrtsstaat die größte Errungenschaft der Demokratie, der mit dem Wirtschaftswunder einherging und Schweden in der Ära Kreisky als Vorbild nahm, „aber durch die Rechtspolitik Schwedens einen Dämpfer erfahren hat“. „Bitte hören wir auf in den 70er Jahren zu verharren“, wurde Professor Köppl-Turyna hier etwas emotionaler: „Wir haben die höchste Lohnquotedes BIP mit 73 %, aber der wirtschaftliche Wettbewerb ist halt nun mal nicht mehr national, sondern global“. Noch etwas mehr durch die „Leistungs-Unternehmer-Brille“ sieht es natürlich Waldhäusl: „In den USA zählt die Kraft des Einzelnen, dort gibt es ein anderes Staatsverständnis. In Europa haben wir Fachkräftemangel, die Jugend hat in Corona gelernt, dass es eine „Work-Life-Balance“ gibt und Homeoffice ‚normal‘ ist. Gleichzeitig wandert die Industrie ab“. Auch Brunner betrachtet die Standortpolitik Europas als äußerst riskant, jedoch müssen sich seiner Meinung nach Leistungen des Staates und der Wohlfahrtsstaat nicht ausschließen: „Ich wünsche niemanden, sechs Monate lang den Finanzausgleich mit neun Landeshauptleuten verhandeln zu müssen.“ In anderen Worten, Brunner „will eh mehr,wenn er könnte…“. Nach 90 Minuten schloss Christian Ultsch die intensive Diskussion. Im Nachgang, bei Drinks und Brötchen, fand der Autor dieser Zeilen heraus, dass seine Vorstandskollegen Laura Schullern (MJ 17b) und Janko Glavic (MJ 10b) vor zwei Jahren die Retter des Finanzministers zu später Stunde waren, als dieser am Weg nachhause einen Unfall mit seinem E-Roller hatte. Doch erst diese Podiumsdiskussion ermöglichte es Minister Brunner sich bei seinen Rettern zu bedanken.

Ferdinand Waldstein-Wartenberg (MJ 03)

„Die großen Weltreligionen an einem Tisch – was sind die Herausforderungen der Zukunft?“ 18.10.2023

„Die großen Weltreligionen an einem Tisch – was sind die Herausforderungen der Zukunft?“ 18.10.2023

„Die Diskussion hat pünktlich begonnen – eindeutig keine jüdische Veranstaltung“

…mit dieser selbstironischen Feststellung eröffnete Oberrabbiner Jaron Engelmayer die 1. Podiumsdiskussion im prall gefüllten Festsaal der Schule zum Thema: „Die Weltreligionen an einem Tisch – die Herausforderungen der Zukunft“. Wirklich beachtlich, dass der Oberrabiner angesichts der aktuellen Umstände im Nahen Osten dennoch den Weg zu uns gefunden (dank Vermittlung von Matthias Riesenhuber) und ein Quäntchen Humor mitgebracht hat. 

Aufgrund der souveränen Moderationsleitung unseres Mitgliedes Rudolf Mitlöhner, MJ 83b, Leitung Innenpolitik, KURIER, gab es eine rein auf die Religion fokussierte Diskussion samt Fragen aus dem Publikum. Wir sind ebenso dankbar, dass Abt Nikolaus MJ 83b, Professor Matthias Beck, Pfarrer in St. Josef zu Margareten als auch Ermin Sehic, religiöser Funktionsträger der Islamischen Glaubensgemeinschaft Österreich sich den Fragen der Zukunft aus religiöser Sicht hingaben.

„Wir müssen über den Einzelnen reden und nicht über die Kirche“, führt Beck aus und ergänzt: „auch die Auferstehungsgeschichten behandeln den einzelnen und nicht die Kirche, es gibt im Himmel keine Kirche. Wir brauchen neben der Nächstenliebe, mehr Selbstliebe“.

Studien zeigen, dass der Islam am schnellsten wächst und es in 2060 gleich viele Moslem wie Christen geben wird. Bei den Christen sind es vor allem evangelikale Bewegungen, wie die Pfingstkirchen oder 7-Tages-Adventisten, die besonders erfolgreich missionieren. „Juden missionieren nicht, aber in Zeiten der Säkularisierung, sind Religionen gefordert wie schon lange nicht mehr“, betont Engelmayer.

„Ich bewundere die rasant wachsenden evangelikalen Religionen, aber nahe fühle ich mich nur den eingesessenen Weltreligionen, die heute hier am Tisch sind. Wir sind alle Kinder Gottes“. Nach mehreren Fragen zum Extremismus im Islam, entgegnete Serhic: „Einige Menschen, die nach Europa migrieren, haben den Islam auf eine besonders harte Weise sozialisiert bekommen, da müssen wir gegensteuern“.

„Wirtschaftsstandort Österreich – quo vadis?“ am 07.November 2023

„Wirtschaftsstandort Österreich – quo vadis?“ am 07.November 2023

„In Österreich gibt es mehr Gipfelkreuze als Windräder…“…stellt Christoph Matznetter, Nationalratsabgeordneter der SPÖ, konsterniert fest und ergänzt: „Im Osten Österreichs schaffen wir es offensichtlich nachhaltige Energie zu produzieren, der Westen ist offensichtlich nicht im Stande dazu und die verantwortlichen Bundesländer stellen sich gegen Windräder & Co“, deutet er besorgt auf den Föderalismus.

Es war angerichtet – zum ersten Mal in der Geschichte des Schottengymnasiums und der Altschotten war ein aktiver Minister zu einer Podiumsdiskussion zugegen.

Arbeits- und Wirtschaftsminister Martin Kocher gab seinen Blick auf den Wirtschaftsstandort Österreich wieder, und wurde dabei neben dem schön erwähnten Christoph Matznetter durch Sabine Jungwirth, Obfrau der Grünen Wirtschaft und Ehefrau von Vizekanzler Kogler, Holger Bonin, Direktor, Institut für höhere Studien (IHS) sowie Lukas Haider (MJ99), Leiter des österreichischen Standortes der Boston Consulting Group herausgefordert. Unser Mitglied Rudolf Mitlöhner, KURIER, moderierte in bewährter Art und Weise.

„Was sorgt 800 weltweit befragte CEOs? Neben den makro-ökonomischen Entwicklungen bereitet vor allem der Arbeitskräftemangel großen Sorgen. Wie und woher bekommen wir in Zukunft unsere Talente und Experten“, bringt es Haider auf den Punkt. „Genau da zeichnet sich Österreich vor allem aus, nämlich durch unser erfolgreiches duales Ausbildungs- und Lehrlingsmodell“, ergänzt Kocher und ergänzt „plus wir dürfen unseren Standort auch nicht immer nur schlechtreden, denn wir haben die viertgrößte Kaufkraft pro Kopf in der EU. Aber es stimmt, wir haben zum ersten Mal seit langem 3 rezessive Quartale plus eine Inflation, die höher als der Durchschnitt in der EU ist. Noch ein Jahr darf dies nicht passieren.“

Holger Bonin als auch Kocher sind überzeugter Dinge, dass 2024 wieder Wirtschaftswachstum einkehren wird und nicht zu überhitzte KV-Abschlüsse sowie die vor kurzem eingeführten kaufkraftfördernden Maßnahmen der Regierung (e.g. Abschaffung der kalten Progression) zu einem Einpendeln der Inflation führen werden. Jungwirth sah es ähnlich, würde sich aber über eine Entbürokratisierung der Rot-Weiß-Rot Karte freuen sowie die Teilzeitfalle aktiv angehen.