Impuls von Abt Nikolaus Poch zur Mittagshore bei den Benediktinerinnen der Anbetung
in Wien-Liebhartstal am Freitag, 26. Mai 2023

„Gott hat Jesus auferweckt, dafür sind wir alle Zeugen. Mit Gewissheit erkenne das ganze Haus Israel: Gott hat ihn zum Herrn und Messias gemacht, diesen Jesus, den ihr gekreuzigt habt” (vgl. Apg 2,36).

Liebe Schwestern, liebe Brüder,
„Gott hat Jesus auferweckt. Dafür sind wir alle Zeugen” (Apg 2,32), ruft Petrus in seiner Pfingstpredigt den Menschen von Jerusalem zu.
Auf beeindruckende Weise haben die ersten Christen in Jerusalem Zeugnis für ihren Glauben an die Auferstehung Jesu abgelegt. Nicht nur mit Worten, sondern in erster Linie durch ihr gemeinsames Leben.
Im vierten Kapitel der Apostelgeschichte lesen wir: „Die Gemeinde der Gläubigen war ein Herz und eine Seele. Keiner nannte etwas von dem, was er hatte, sein Eigentum, sondern sie hatten alles gemeinsam. Mit großer Kraft legten die Apostel Zeugnis ab von der Auferstehung Jesu, des Herrn, und reiche Gnade ruhte auf ihnen allen. Es gab auch keinen unter ihnen, der Not litt. Denn alle, die Grundstücke oder Häuser besaßen, verkauften ihren Besitz, brachten den Erlös und legten ihn den Aposteln zu Füßen. Jedem wurde davon so viel zugeteilt, wie er nötig hatte” (Apg 4,32-35). Das war – neben den Worten geisterfüllter Prediger wie eben Petrus – das Zeugnis derer, die aus dem Glauben an die Auferstehung lebten.

Das Beispiel der Gemeinde von Jerusalem hat immer wieder Menschen inspiriert. Auch für den heiligen Benedikt war die Urgemeinde das große Vorbild christlichen Lebens. Ihr verbindliches gemeinsames Leben, ihr Gebet, das Teilen des Brotes, die Gütergemeinschaft, die gemeinsame Sorge für die Armen und Schwachen… die Ideale der Urgemeinde leuchten unverkennbar in der Regel des heiligen Benedikt auf.

Zum Zeugnis der christlichen Kirche gehörte aber immer auch, dass die einzelnen Gemeinden nie nur auf sich selbst geblickt haben. Sie freuten sich, als immer neue Gemeinden entstanden auf dem ganzen damals bekannten Erdkreis. Auch trotz mitunter unterschiedlicher Ansichten war ihnen die Einheit immer ein ganz hohes Ziel, um das sie heftig rangen. Von Anfang an tauschten sie sich untereinander aus und suchten die Begegnung miteinander.
Insofern ist heute wirklich ein schöner Tag. Die gegenseitige Stärkung, das gemeinsame Gebet, der Austausch untereinander steht in einer Linie mit diesen urchristlichen Gemeinden, mit dem, was damals von Jerusalem ausgegangen ist.

Danke also euch für diese Einladung – zwei Tage vor dem Pfingstfest wünsche ich unseren beiden Gemeinschaften die Dynamik und Kreativität des Heiligen Geistes. Er ist die Kraft Gottes, die alle Verzagtheit überwindet und uns lebendig hält.