Canaletto und Bellotto Alt-Schottenbesuch im Kunsthistorischen Museum

Der Venezianer Giovanni Antonio Canal (1697-1768), besser bekannt als Canaletto, konnte auch als Maler fast fotorealistisch genauer und detailreicher Städteansichten seine Wurzeln als Bühnenbildner nicht verleugnen. Mit Hilfe einer Camera Obscura gestaltete er zunächst lichtdurchflutete Bilder seiner Heimatstadt, sowohl großformatige repräsentative als auch intime kleinere, die als „Souvenirs“ für betuchte Reisende auf „Grand Tour“ sehr beliebt waren. In seiner Werkstatt arbeitete auch sein Neffe Bernardo Bellotto (1721-1780), der sich später aus Gründen der Werbewirksamkeit ebenfalls „Canaletto“ nannte. Der Ausbruch des österreichischen Erbfolgekriegs zwang die beiden 1740 nach si- chereren und lukrativeren Märkten Ausschau zu halten. Der Onkel fand in London ein neues Betätigungsfeld, der Neffe, nach Zwischenstationen u. a. in Rom, für zehn Jahre eines als Hofmaler in Dresden. 1759 suchte Bellotto sein Glück in Wien und schuf hier seine berühmten großformatigen Ansichten verschiedener Schlösser insbesondere des Kaiserhauses (Schönbrunn, Belvedere, Schloss Hof), genauso aber intime, im Format kleinere Ansichten der Wiener Innenstadt. Dazu zählt die detailreiche Darstellung einer die Schottenkirche verlassenden Prozession, möglicherweise mit der Schädelreliquie des hl. Sebastian. Beide, Onkel und Neffe, konnten jedoch ihren Reichtum nicht bewahren und starben, nach weiteren Stationen ihrer Wanderschaft, verarmt, Canaletto 1768 in Venedig, Bellotto1780 in Warschau.

Peter Krall (MJ 72)

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