Dankbarkeit

Liebe Besucher des Schottenstiftes,
wenn man jetzt durch die Wiener Innenstadt geht, entsteht der Eindruck: Alles wieder in Ordnung! Viele fremde Sprachen, Geschäfte und Kaffeehäuser geöffnet und gut besucht; auch die Gastronomie im Schottenhof hat wieder reichlich Kundschaft und bietet Speisen und Getränke in der gewohnten Qualität.

Man sollte auch etwas hinter diese Kulisse sehen: auf die zu hohe Zahl der Arbeitsuchenden, auf die Sorgenfalten der kleinen Händler und Unternehmer und auf die Meldungen. Da und dort gibt es wieder einen „Verdachtsfall“, ganz zu schweigen von den Meldungen, die wir aus Afrika oder Amerika erhalten – es ist eben noch nicht alles wieder in Ordnung.

und doch haben wir alle die große Sehnsucht in uns, dass der Schock der letzten Monate sich nicht wiederholen möge. Alles in uns drängt doch nach Freiheit, wir wünschen ein Leben ohne Beschränkungen, wir wollen wieder ganz „normal“ Liturgie feiern, mit Friedensgruß und Kelchkommunion, einander die Hand geben oder umarmen, wenn wir einander begegnen. Ich bin sicher: Dies alles wird uns wieder geschenkt werden!
Jetzt aber: Wie wäre es mit ein wenig Dankbarkeit dafür, dass wir sogar durch das Übel lernen können; dass wir behütet waren; dass uns bewusst geworden ist, wie wichtig Gemeinschaft und Freundschaft für uns sind.
Dann müssten sich eigentlich auch die Kirchen wieder füllen bei den Gottesdiensten oder während des Tages zum stillen Gebet. Auch dies gehört zur zurückkehrenden Normalität,

meint Ihr Abt Johannes

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