1 Jahr sind Franz Patay und ich dem Herrn Bürgermeister Dr. Michael Ludwig nachgelaufen, um ihn für eine Podiumsdiskussuion zu gewinnen. Als wir dann schon damit nicht mehr gerechnet hatten und eine Diskussion zum heimischen Kapitalmarkt mit Stefan Neubauer, CEO Kathrein Privatbank, unserem Generalsponsor, Meinungsforscher Peter Hajek, Studienautor des jährlichen Aktienbarometers der Industriellen-Vereinigung unter der Leitung von Susanne Bickel, DIE PRESSE angesetzt hatten, war nur mehr noch die Zusage von Investment Punk Gerald Hörhan offen.
Was geschah? Aus dem Nichts flatterte genau eine Terminmöglichkeit mit dem Herrn Bürgermeister herein – und wir wagten das Experiment – der Bürgermeister beehrte den Festsaal des Schottengymnasiums, um zum Kapitalmarkt zu sprechen. Dabei musste er gleich in der Eingangsfrage durch die Moderatorin auf die Forderung zur Abschaffung der Maastricht-Kriterien durch seinen Stadtrat Hacker eingehen: „Ja, es reiben sich alle an Wien, aber die Pro-Kopf Verschuldung in Wien befindet sich trotz der längst anhaltenden Rezession im österreichischen Schnitt, wir dürfen nicht vergessen, Wien ist Stadt und Gemeinde gleichzeitig“, so der Bürgermeister und präzisiert: „Wir fordern aber, dass gewisse Investitionen, wie die in soziale Infrastruktur aus den Maastricht-Kriterien rausgenommen werden. Prinzipiell sind wir nicht gegen den Kapitalmarkt, wir sind gegen den Kapitalismus und für die soziale Marktwirtschaft. Darüber hinaus muss der Kapitalmarkt in Wien noch mehr gestärkt werden, da viele unserer Betriebe hier eine Brückenkopffunktion nach Zentral- und Osteuropa haben“
Für den Meinungsforscher Hajek beginnt es an der Basis: „30% der Österreicher halten Wertpapiere, aber es gibt traditionell Zurückhaltung gegenüber dem Kapitalmarkt, weil entweder kein Vertrauen voherrscht, zu wenig Wissen vorhanden ist oder tatsächlich zu wenig Rücklagen da sind“. Interessanterweise ist der Anteil jener beim heimischem Aktienbarometer, die Wertpapiere halten zu 40% jeweils aus Haushalten, die „Grün“ oder „NEOS“ wählen, dann 30% der ÖVP zugetan, 25% der SPÖ und nur 20% der FPÖ. Insgesamt haben noch immer 56% de facto das komplette Geld am Sparbuch liegen.
Da stellt es Stefan Neubauer naturgemäß die Haare auf: „Wer vor 30 Jahren sein Vermögen auf das Sparbuch gelegt hat, der hat sein Vermögen inzwischen halbiert, dagegen steht eine durchschnittliche Aktienperformance von 7.5% pro Jahr in den letzten 120 Jahren“, rechnet der Banker vor und ergänzt: „Was jedoch in den letzten 15 Jahren erkennbar wurde, ist der Trend, dass Unsicherheiten bei Rückschlägen am Kapitalmarkt nur kurz vorherrschen, da inzwischen solche Ausschläge nach unten genutzt werden, um „nachzukaufen“ bzw. zu günstigeren Kursen einzusteigen“.
Dem stimmt Ludwig zu: „Die Krisen 2002 als auch 2008 haben gezeigt, dass sich der Kapitalmarkt in Folge wieder stabilisiert hat, nur wie gesagt, es gibt einen großen Unterschied zwischen Kapitalismus und sozialer Marktwirtschaft. Die jetztige Regierung ist noch zu kurz im Amt, um zu zeigen, was sie für die soziale Marktwirtschaft tun will“.
Hajek und Neubauer schlagen in ihren Forderungen an die Politik in die gemeinsame Kerbe, dass es wie in Ländern zB Schweden eine kapitalmarktgedeckte 1. Säule der Vorsorge geben sollte sowie steuerliche Anreize für Investitionen in den Kapitalmarkt als auch massive Investitionen in die Finanzbildung. „Wir sollten schneller den je agieren, denn es liegen 300 Milliarden Euro auf Österreichs Bankkonten herum und in der EU insgesamt 12.000 Milliarden, die nicht investiert sind“, unterstreicht Neubauer.
Von Ferdinand Waldstein-Wartenberg MJ 03a











