“Die Ehre Gottes ist der lebendige Mensch”

“Die Ehre Gottes ist der lebendige Mensch”: Ein Satz des Irenäus von Lyon (+ um 200 n. Chr.), der mich schon seit Jahren begleitet und den ich anlässlich meiner Wahl zum Abt als Leitgedanken ausgesucht habe.

In den Tagen des anbrechenden Frühlings wird mir bewusst, welche Kraft in allem Lebendigen steckt. Wie Blumen scheinbar mühelos aus der Erde hervorsprießen, um sich der Sonne entgegenzustrecken – fast scheint es, sie blickten neugierig auf das, was ihnen das Leben zu bieten hat. Fasziniert höre ich die Vögel in den Büschen und Bäumen. Zwitschern sie aus reiner Freude am Leben? Wollen sie mit ihrem Gesang Partner finden? Haben ihre Töne feste Bedeutungen, oder geht es darum, Stimmungen weiterzugeben?
All das erweckt in mir eine tiefe Sehnsucht nach Leben.

Mehr als ein Jahr dauert es nun an, dass wir durch Corona massiv in unserer Lebendigkeit eingeschränkt sind. Das ständige Tragen von Masken, das obligatorische Abstandhalten, die Einschränkung der Begegnungen sind schwer auszuhalten. Vielleicht kann ich aber im Umkehrschluss besser erkennen, wer ich als Mensch bin. und mein Augenmerk darauf richten, allen Einschränkungen zum Trotz eine neue Lebendigkeit zuzulassen. Indem ich in die Natur gehe, indem ich die Eindrücke um mich herum bewusster wahrnehme, indem ich aus dem Weg zu räumen versuche, was Beziehungen erschwert.
Kann mir die Kunst dazu Anregungen bieten? Habe ich eine kreative Idee, jemanden mit einem guten Wort, einem aufmunternden Blick, einem kleinen Geschenk zu überraschen?

“Die Ehre Gottes ist der lebendige Mensch”: Herr, schenke uns aufs neue diese Lebendigkeit. Damit in allem dein Name verherrlicht werde!

Abt Nikolaus

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