Im Unteren Belvedere, 20. November 2025
Der 1736 geborene und in München und Wien ausgebildete Bildhauer Franz Xaver Messerschmidt begann seine Karriere mit dem Verzieren von Kanonen und erwarb bald die Gunst Kaiserin Maria Theresias, deren Auftrag für zwei lebensgroße Statuen von ihr und ihrem Mann Franz Stephan I. 1766 den Höhepunkt seiner Laufbahn darstellten. Ab etwa 1769 trat an die Stelle barocker Repräsentationsbüsten die vom Geist der Aufklärung geprägte schmucklose Darstellung des Menschen als Individuum, erlebbar durch zahlreiche Portraitbüsten prominenter Zeitgenossen.
Nach der Verweigerung der ihm in Wien versprochenen Akademieprofessur widmete sich Messerschmidt ab 1777 in seinen letzten sechs Lebensjahren primär der Darstellung von Stimmungen, oft zu grotesken Grimassen verzerrt: Den berühmten 52 Charakterköpfen, auf die sein Werk oft zu Unrecht reduziert wurde und wird. Die Ausstellung im Unteren Belvedere stellt den Künstler in den Kontext ihn beeinflussender Vorläufer und Zeitgenossen und räumt fundiert mit dem Mythos des verrückten Genies auf.
Peter Krall (MJ 72)
