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am24. Oktober 2014 lud die LGT-Bank bereits zum wiederholten Male zur Privatführung ins Stadtpalais Liechtenstein.

Die Teilnehmer der mit 20 Personen limitierten Veranstaltung kamen frühabends in den Genuss einer ausgesprochen kompetenten Führung durch Frau Katharina Friess, Mitarbeiterin der LGT Bank, die mit ihrem umfassenden Wissen über Gebäude und Kunstschätze mehr als nur berufliches Interesse für dieses Juwel des Wiener Hochbarocks unter Beweis stellte.

Die Führung startete mit einem Abriss der bewegten Geschichte des monumentalen Palais, dessen Bau 1691 von Graf Kaunitz in Auftrag gegeben wurde. Bereits 1694 wurde es von Fürst Johann Adam Andreas I. für die Familie Liechtenstein erworben, befindet sich bis heute in deren Besitz und wurde erst im vergangenen Jahr der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

In den letzten Tagen des 2. Weltkriegs fügten Bombentreffer und ein ins Dach gestürztes Flugzeug dem Gebäude schwere Schäden zu, die in den Nachkriegsjahren lediglich abgesichert wurden, bevor 1974 bis 1976 erste Instandsetzungsarbeiten erfolgten. Erst im Jahr 2008 begann die umfassende Restaurierung, die hinsichtlich des Einsatzes originaler Bautechnik und authentischer Materialien eine Sonderstellung einnimmt. Im Laufe des Rundgangs konnten wir uns von der Qualität der künstlerischen Instandsetzung immer wieder überzeugen:
So wurden etwa die, in mehreren Räumen freigelegten, raffinierten Parkettböden Michael Thonets mittels aufwendiger Handarbeit in Stand gesetzt oder beispielsweise die Seidenbespannungen und Vorhänge des Bouquetzimmers auf einem eigens adaptierten Webstuhl nachgewebt. Als besonderes Highlight gelten zweifellos die Bronzeluster, die ­in über 54.000 Arbeitsstunden von Hand restauriert und neuvergoldet wurden.
Mit über 2 Tonnen Gewicht schmücken sie auch heute wieder den Quadrat- und Tanzsaal, ergänzen harmonisch deren barocke Stuckdecken und das üppige Neurokoko Interieur und eröffnen so Einblicke in vergangene prunkvolle Epochen.
Der letzte Teil der Führung konzentrierte sich auf die fürstlichen Kunstsammlungen, wobei zwar einige Herzstücke von Rubens, Rembrandt oder Raffael bei diesem Termin nicht zu sehen waren, was aber dem großartigen Erlebnis kaum Abbruch tat. Komplette Serien Liechtensteinscher Familienporträts aus dem Schaffen des Biedermeier-Meisters Friederich Amerling waren zu bewundern, Naturstudien von Ferdinand Georg Waldmüller aber auch Porzellan, italienische Bronzen und, für die damalige Zeit besonders funktionale und moderne, heute besonders kostbare Möbelstücke.

Der wirklich beeindruckende Rundgang fand seinen Abschluss bei einem Glas Sekt und der Gelegenheit nochmals Fragen zu den Exponaten zu stellen und über die Eindrücke zu plaudern.
Teilnehmer und Alt-Schotten bedanken sich besonders bei Frau Friess und bei Mag. Vadim Lyakin (MJ 02b), der diese Privatführung seitens der LGT Bank organisierte. Im Namen all jener, die diesmal zu spät dran waren, hoffen wir auf eine möglichst zeitnahe Wiederholung dieses beliebten Events.

Text und Foto: Wolfgang Strauhs (MJ 76)