Ein Nachruf von Pater Laurentius Eschlböck (MJ 93A)
P. Paulus Bergauer, O.S.B., gehörte zweifelsohne zu den prägenden Gestalten des
Professorenkollegiums am Schottengymnasium. Geboren wurde Gerhard Bergauer am 9.
Dezember 1936, in die Schottenabtei eingetreten ist er am 14. September 1956. Nach der
ewigen Profess am 15. September 1960 wurde er am 29. Juni 1962 zum Priester geweiht. Vor
mehr als 50 Jahren, 1975, wurde er Pfarrer in St. Ulrich im 7. Bezirk. Im Jahre 1981 übernahm
P. Paulus auch noch die Funktion des Kämmerers, des Wirtschaftsverantwortlichen, im
Schottenstift. Vielen ist P. Paulus aber vor allem als Lehrer für die Gegenstände Religion und
Biologie und Umweltkunde in Erinnerung. Seine Unterrichtstätigkeit begann er mit dem
Schuljahr 1967/68 und beendete diese im Jahre 1998/99.
P. Paulus verstand sich selbst in erster Linie als Priester und Seelsorger. Das zeigte sich
einerseits darin, dass er jederzeit erreichbar und ansprechbar war. Es ist mir nicht erinnerlich,
dass ich, wenn ich mit einer Frage oder einem Anliegen zu ihm gekommen bin, von ihm
abgewiesen worden wäre, vielmehr nahm er sich die Zeit, um mir geduldig zuzuhören. Auch
für die Mitglieder seiner Pfarrgemeinde war er, zunächst noch per Pager, sehr früh aber mittels
Mobiltelephon, stets erreichbar. P. Paulus trug andererseits immer das Chrisam bei sich, um
auch im Notfall das Sakrament der Krankensalbung spenden zu können (eine Angewohnheit,
die ich von ihm übernommen habe). Letztlich war auch dies ein Ausdruck seiner steten
Bereitschaft, als Priester jederzeit helfen zu können.
Obwohl er von sich aus den Lehrberuf vielleicht nicht direkt angestrebt hätte, wurde
ihm aufgrund der seinem Klostereintritt vorausgegangenen vier Semester Chemiestudium vom
damaligen Abt Hermann Peichl, O.S.B., der Auftrag erteilt, Biologie zu studieren, um dann P.
Amand Figlhuber, O.S.B., als Lehrer für dieses Fach nachfolgen zu können. P. Paulus verfolgte
das ihm aufgetragene Studium zunächst nur mit wenig innerer Überzeugung, lieber wäre ihm
wohl das Fach Chemie gewesen, doch nach einem für ihn markant erfolgreichen Seziererlebnis
fand er auch zu dieser Disziplin einen Zugang. Erwähnenswert erscheint mir dies, weil es für
P. Paulus typisch war, auch in alltäglichen Dingen die Gegenwart und die Fügung Gottes zu
sehen.
Generell war P. Paulus, vor allem auf technischem Gebiet, ein sehr interessierter
Mensch. Für uns Schüler – mit der Koedukation wurde erst im Schuljahr 2004/05 begonnen –
zeigte sich dies unter anderem auch darin, dass wir fallweise über alles Mögliche informiert
wurden, der eigentlich durchzunehmende Stoff dafür aber nicht immer systematisch und
konsequent gelehrt und von uns noch weniger gelernt wurde. Zwar waren die
Leistungsanforderungen an die Schüler, verglichen mit anderen Fächern, bei P. Paulus nicht
unverhältnismäßig hoch, doch konnte man als Interessierter durchaus viel mitnehmen.
Allerdings war seitdem er zum Pfarrer ernannt worden war, die Didaktik nicht jedes Mal gerade
mitreißend. Bedingt durch den Zeitmangel für eine entsprechende Vorbereitung waren
gemeinsames Mikroskopieren oder Sezieren im Unterricht nur allzu seltene Ereignisse,
dagegen wurden die Wandertage regelmäßig in Biologieexkursionen umgewandelt. Überhaupt
war fächerübergreifendes Denken ein Kennzeichen von P. Paulus. Seine betont unterschiedene
Herangehensweise an eine Sachfrage, von einem theologischen, einem biologischen und einem
rein menschlichen Standpunkt aus, wird nach wie vor oft zitiert.
P. Paulus konnte weiters sehr geschickt im Verhandeln sein. Manche seiner
„Schachzüge“ zeugten durchaus von einem überaus wachen Geist hinter den oft sehr müden
Augen. Die Bekanntschaft mit seinem ehemaligen Betreuungslehrer Dr. Helmut Zilk oder
seinem ehemaligen Studienkollegen Dr. Michael Häupl sollen ihm bei dem einen oder anderen
Renovierungsprojekt zugutegekommen sein. Manche wirtschaftliche Entscheidung hätte man
vielleicht auch anders treffen können, doch hatte P. Paulus von seiner Mutter Hilda, die selbst
Prokuristin war, wohl so etwas wie einen ökonomischen Grundinstinkt vererbt bekommen, der
ihm geholfen hat, seine Tätigkeit als Kämmerer auszuführen. Viel prägender war für ihn jedoch
der Beruf seines Vaters Karl, eines Kriminalbeamten. Mit leuchtenden Augen konnte P. Paulus
z. B. von seinem eigenen Überführen eines Taschendiebes mittels Bestäubens von Banknoten
mit einer Chemikalie, worauf sich dann die Finger des Diebes mit nicht abwaschbarer Farbe
Rot färbten, erzählen.
P. Paulus nahm vieles auch persönlich, fallweise vielleicht zu persönlich. Humor, die
Fähigkeit über sich selbst zu lachen, gehörte nicht zu den ihm geschenkten Gaben. Doch war
er andererseits auch nicht allzu lange nachtragend, schon gar nicht nach einer aufrichtig
vorgebrachten Bitte um Entschuldigung.
Es war für mich ein Geschenk, P. Paulus wenige Tage vor seinem Tod noch im Spital
besuchen zu können. Er war schon sehr schwach und kommunizierte mit mir nur mehr noch
mittels Bewegens seiner Augen. Aber er konnte sowohl die Kommunion als auch die
Krankensalbung empfangen und hatte noch die Kraft, sich an den entsprechenden Stellen selbst
zu bekreuzigen. Am Ende, nachdem ich für alles, was er als mein Lehrer und Klassenvorstand
für mich getan hat, mich bedankt und verabschiedet hatte, hat er mich noch wortlos mit einer
Handbewegung gesegnet, so wie am Ende eines jeden Unterrichtstages, wenn wir bei ihm die
letzte Stunde hatten. Es war dies ein sehr berührender Augenblick. Möge P. Paulus ruhen in
Frieden und das ewige Licht ihm leuchten.
