im Theater Nestroyhof

amFreitag, den 11.11.2016, besuchte eine Gruppe der Alt-Schotten die – hoffentlich nur: vorerst – letzte Aufführung von Robert Schindels Drama „Dunkelstein“ im Theater Nestroyhof – Hamakom. Das Stück bietet einen eindrucksvollen, unter die Haut gehenden Einblick in die Situation der Wiener Juden kurz vor und vor allem nach dem Anschluss 1938. Im Mittelpunkt steht dabei die Geschichte des ambivalenten Charakters Saul Dunkelstein, der an die historische Figur des Wiener Rabbiners Benjamin Murmelstein (bekannt aus dem Dokumentarfilm „Der letzte der Ungerechten“ von Claude Lanzmann) angelehnt ist. Bei Dunkelstein handelt es sich um einen jüdischen Funktionär, der auf Initiative des NS-Regimes mit diesem zusammenarbeitet und dabei immer öfter auch mit der Entscheidung über Leben und Tod konfrontiert wird. Für das Publikum stellen sich dabei schwierige und weit über den konkreten historischen Zusammenhang hinausgehende Fragen: Ist eine „Wahl des geringeren Übels“ überhaupt möglich, und kann sie es rechtfertigen, mit den Tätern zu kooperieren, ja zu kollaborieren, um noch Schlimmeres zu verhindern? Das Stück spitzt diesen Gewissenskonflikt – zum Teil auf tragikomische Weise – zu und zeigt eindrücklich, dass eine Einteilung in „Gut“ und „Böse“ oft nicht ohne weiteres möglich ist. Nach der Aufführung und dem großen Applaus des Publikums hatten wir die Gelegenheit, sowohl mit dem Autor Robert Schindel und dem Regisseur Frederic Lion als auch mit einigen der Schauspieler die verschiedensten Fragen, die das Stück für jedermann aufwirft, offen zu diskutieren. Organisiert wurde diese besondere Möglichkeit von Peter Marboe (MJ 60), der auch die Moderation der Diskussion übernahm und dem wir dafür sehr herzlich danken dürfen.

Text und Bilder: Stephan Foglar-Deinhardstein (MJ 03a)

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