Pfingsten 2021

Mittlerweile habe ich schon ein paar Mal gesehen, wie auf einem Bildschirm in Dauerschleife Feuer flackert.

Tatsächlich ist es unglaublich faszinierend, dem Spiel der Farben und der ständig überraschenden Dynamik der Flammen zuzusehen. Irgendwie aber auch pervers: die alles vernichtende und verwandelnde Urkraft des Feuers, seine unbändige Energie, die in Wahrheit nicht auszuhaltende Hitze der Flammen – hier eingesperrt in einen rechteckigen Bildschirm, inmitten eines behaglichen, gemütlichen, hoffentlich wohltemperierten Wohnzimmers.

Wir alle haben uns in den vergangenen Monaten daran gewöhnen müssen, viele Bereiche unseres Lebens über den Bildschirm zu erledigen: Homeoffice, online Unterricht, Zoomkonferenzen, Online-Shopping… auch in der Kirche haben wir uns mit den modernen Medien angefreundet. Viele Diözesen und Pfarrgemeinden streamen ihre Gottesdienste und laden zu virtuellen Veranstaltungen, um auch in Pandemiezeiten die Gemeinde zusammenzuhalten. Wie gut, dass es diese Möglichkeiten gibt – zugleich, wie armselig im Vergleich zu echten Begegnungen.

Zu Pfingsten haben die Apostel die Dynamik des Heiligen Geistes als Kraft eines unbändigen Feuers erlebt.

Das wünsche ich am heurigen Pfingstfest daher jedem Einzelnen von euch und der Kirche als ganzer: dass uns die Öffnungsschritte dieser Tage aus der leblosen Distanz hinter den Bildschirmen befreien und neu zusammenführen. Dass wir wieder von der Dynamik realer Begegnungen erfasst werden – und von der alles verwandelnden und in Brand setzenden Kraft des Heiligen Geistes. Gegen alle Verzagtheit und Mutlosigkeit!

Abt Nikolaus

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