Alt-Schotten-Privatführung durch die Sonderausstellung
„Der Kongress Fährt Leihwagen, Lustfahrten und Luxus-Outfits am Wiener Kongress 1814/15“ in der Kaiserlichen Wagenburg Wien in Schönbrunn am 28. November 2014

An diesem feuchtkalten Novembernachmittag versammelten sich 15 Alt-Schotten und Damen in der ungeheizten „Kaiserlichen Wagenburg“ beim Schloss Schönbrunn und wurden für ihre Standhaftigkeit durch eine sowohl äußerst sachkundige als auch liebenswürdig launige Führung von Mag. Daniel Uchtmann vom Kunsthistorischen Museum, zu dessen Beständen diese Sammlung gehört, belohnt.

Seiner bereits in der Einladung zu dieser Veranstaltung enthaltenen und hier nochmals wiederholten Einführung ist nur das Erstaunen hinzuzufügen, wie effizient die Produktion luxuriöser Serienprodukte und die Organisation von Massentransportlogistik bereits am Beginn des 19. Jahrhunderts funktionierten. Dass bereits damals Politik in wesentlichem Ausmaß aus „Networking“ im gesellschaftlichen Rahmen bestand und die Steuerzahler – murrend, aber durch glamouröse Auftritte der Mächtigen und Berühmtheiten dieser Welt einigermaßen belohnt – für die horrenden Kosten dieses rund neun Monate dauernden „Gipfeltreffens“ aufkommen mussten war dabei am wenigsten erstaunlich.

Peter Krall (MJ 72)

Einführung von Herrn Mag. Daniel Uchtmann:

Der Kongress Fährt

Leihwagen, Lustfahrten und Luxus-Outfits am Wiener Kongress 1814/15

Vor 200 Jahren war Wien für acht Monate das Zentrum der Welt: amWiener Kongress (18.9.1814 – 9.6.1815) versammelten sich Monarchen, politische Entscheidungsträger und Lobbyisten aus ganz Europa, um die Welt nach dem Sturz Napoleons neu zu gestalten. Begleitet wurden sie von einem riesigen Gefolge und Zig-Tausenden von Glücksrittern und Schaulustigen, die alle in der Stadt untergebracht, verpflegt, transportiert und unterhalten werden mussten. Das Fürstentreffen in Wien wurde damit zum Ahnherrn des modernen Kongresstourismus.

Backstage bedeutete das eine enorme logistische Herausforderung, da die Stadt von Jahrzehnten des Krieges und zwei Eroberungen schwer gezeichnet war. Wie bravourös diese Herausforderung gemeistert wurde, kann man nun in einer Ausstellung der Kaiserlichen Wagenburg in Schönbrunn entdecken:

Dass der Kongress tanzte ist allseits bekannt – noch wichtiger war den Zeitgenossen aber, dass er auch „fuhr“: So mussten in aller Eile hunderte von prachtvollen Fahrzeugen gebaut werden, um die hohen Herrschaften adäquat transportieren und bei viel bewunderten Schlittenfahrten und „Pirutschaden“ auch unterhalten zu können. Die Kutschen wurden den Gästen und ihrem Gefolge als Leihwagen zur Verfügung gestellt, die rund um die Uhr mit eigens gedruckten Formularen angefordert werden konnten. Um den Leihbetrieb besser administrieren zu können, erhielten erstmals alle Fahrzeuge ein einheitliches Aussehen. Der Wiener Hof wurde so zum Erfinder der „Corporate Identity“ für fürstliche Fuhrparks, die bald in ganz Europa kopiert wurde.

Einige dieser kunstvollen Gefährte haben sich in der Wagenburg erhalten, wo sie nun, zum ersten Mal seit 200 Jahren, wieder im alten Glanz erstrahlen. Ergänzt werden sie von prachtvollen Hof-Uniformen, die eigens für den Kongress designt wurden, und opulenten Ordensornaten, mit denen sich die Herrscher zum Zeichen ihrer Verbundenheit gegenseitig beschenkten.

Da die Wagenburg als einziges Museum Wiens einen reichen Schatz prachtvoller dreidimensionaler Objekte der Zeit besitzt, bietet die Ausstellung neben einem ungewöhnlichen Blick auf den Wiener Kongress auch ein opulentes Tableau, das den Prunk des einmaligen Ereignisses nach 200 Jahren wieder auferstehen lässt.