„Radetzkymarsch“ – Theaterabend, der Bericht

“Besorgen Sie sich ein eigenes Theater, sonst spielt Sie keiner!“ Diesen Worten Bert Brechts hat Alexander Waechter selbstironisch Taten folgen lassen, indem er das kleine, aber feine Kellertheater franzjosefskai21 begründete. am29.11.2017 konnte eine Gruppe von rund 25 Altschotten dort eine Aufführung des „Radetzkymarsch“ von Joseph Roth erleben. Waechter, der den Text des großen Romans geschickt gekürzt, dabei jedoch Roths Sprache beibehalten hat, bot eine eindrucksvolle One-Man-Show als Schauspieler und Regisseur in einem: Mit nur wenigen Requisiten gelang es ihm, die zahlreichen Figuren des Werkes mit ihren jeweiligen Charakteristika authentisch zu verkörpern. So erweckte er für das Publikum die in der Endzeit der Habsburgermonarchie spielende Geschichte der Offiziers- und Beamtenfamilie Trotta durch drei Generationen zu neuem Leben. Der Autor spannt den Bogen vom Lebensretter Kaiser Franz Josefs, dem „Helden von Solferino“, bis zu dessen Enkelsohn, der in einer Garnison an der Ostgrenze an eigenen Unzulänglichkeiten, vor allem aber an den Zerfallserscheinungen zu Beginn des 1. Weltkriegs zerbricht. Die fesselnde Schilderung der historischen Entwicklungen am Beispiel einer Familie ist zeitlos; dies kommt auch in der Bühnenfassung auf beeindruckende Weise zum Ausdruck. Mit Sicherheit hat die Vorführung einige von uns angeregt, das Werk von Roth wieder zur Hand zu nehmen!

Im Anschluss an die Aufführung hatte unsere Gruppe die besondere und exklusive Gelegenheit zur Diskussion mit dem Künstler: Er gab uns dabei sowohl zu Werk und Aufführung Auskunft als auch zu den heutigen Problemen eines Theaterbetriebs und seinen nächsten Plänen. Herzlichen Dank Peter Marboe (MJ 1960) und dem Vorstand für die hervorragende Organisation!

Text: Andreas Foglar-Deinhardstein (MJ 1970)

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