Über Vermittlung von Peter Marboe (MJ 60) konnten ca. 45 Alt-Schotten mit Begleitung am 19.11.2012 das Volkstheater besuchen. Das Programm begann mit einer Führung durch den technischen Leiter Michael Mayerhofer, die uns nicht nur auf die Bühne führte, sondern die einmalige Gelegenheit bot, die Unterbühne und den Schnürboden zu besichtigen; schließlich gelangten wir bis unter das Dach. Neben den technischen Erläuterungen, wie zum Drehmechanismus der Bühne und zur Funktionsweise des Schnürbodens, stand die Geschichte des Hauses im Vordergrund:

 

Das „Deutsche Volkstheater“ wurde 1887-89 von Fellner und Helmer erbaut und sollte – als Gegenstück zum höfischen Burgtheater – der breiten Bevölkerung Theaterstücke zugänglich machen. Bis heute ist es nach dem Burgtheater die zweitgrößte Sprachbühne von Wien.

 

Nach einer überaus lebendigen Stückeinführung durch Direktor Michael Schottenberg sahen wir Peter Turrinis „Der Riese vom Steinfeld“. Das Werk kam zunächst als Opernlibretto – vertont von Friedrich Cerha – an der Staatsoper heraus, wird nun aber vom Volkstheater auch als Sprechstück aufgeführt. Es beruht zwar auf realen Ereignissen aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, hat aber doch märchen- und parabelhaften Charakter. Einige derbe Szenen werden von einer zarten Liebesgeschichte kontrastiert – beides für Turrini nicht untypisch.

 

Nach der Aufführung gab es in der „Roten Bar“ noch Gelegenheit zu Gesprächen mit einigen Schauspielern. Insgesamt – nach dem Besuch der Josefstadt im Vorjahr – ein weiterer gelungener Versuch, den Alt-Schotten einen Theaterbesuch der besonderen Art zu ermöglichen.

 

Text: Andreas Foglar-Deinhardstein (MJ 70)

Fotos: Andreas Hanusch (MJ 75)