Unsere Zeitrechnung und Gottes Plan

Wann beginnt ein „neues Jahr“? Genau genommen würden wir ja von einem Jahreswechsel überhaupt nichts bemerken, wenn wir keinen Kalender hätten und ohne den Silvesterlärm: amAbend gehen wir zu Bett, und am Morgen stehen wir auf. Nichts hat sich geändert. und doch teilen wir die Zeit in Sekunden, Stunden, Tage und Jahre. So kommen wir auf „Neujahr“.

Der kirchliche Jahreskreis

„Unser“ Neujahrsfest ist der erste Adventsonntag. Er ist begleitet durch die Segnung der Adventkränze, die feierliche Vigil und den Blick auf das nahende Weihnachtsfest, das seinerseits den Beginn einer neuen Zeitrechnung markiert. So zählen wir ja auch heute die Jahre vor oder nach Christi Geburt und alte liturgische Texte feiern die Menschwerdung des Gottessohnes als den Beginn eines neuen Äons. Wir lesen die alttestamentlichen Texte als Ankündigung einer neuen Zeit, in der die Gottesherrschaft Gestalt gewinnt, weil Gott sein Volk von neuem sammelt mit dem Auftrag, die Welt nach seinem Plan zu verändern. Das Epiphaniefest am 6. Jänner greift dies auf und verbindet es mit der zivilen Zeitrechnung, wenn es in der Liturgie das Datum der beweglichen Feste des neuen Kalenderjahres feierlich nennt und so die „christliche“ mit der „bürgerlichen“ Zeitrechnung verbindet.

Das Brauchtum um den 1. Jänner verblasst hinter diesen Markierungen etwas; lediglich in der Jahresschlussandacht wird Rückschau gehalten auf all das, was in den vorangegangenen zwölf Monaten geschehen ist. Die Frage ist ja, ob wir trotz aller Schwierigkeiten und trotz allen Leides Gott zutrauen, der „Herr der Geschichte“ zu sein. Mit dem seligen Papst Paul VI. feiern wir den 1. Jänner dann als Weltfriedenstag, weil Gottes Reich ein Reich der Gerechtigkeit, der Liebe und des Friedens ist.

Unsere Vorsätze

Ein neues Jahr sieht nach ein paar Monaten auch schon wieder „alt“ aus. Das muss nicht so sein und gelingt dann eher, wenn die Vorsätze, die wir fassen, die Perspektive Gottes aufnehmen und sich nicht in moralischen Kleinigkeiten verlieren, sondern ein wenig darauf schauen, wie wir im Glauben unsere Welt im Sinn Gottes verändern und ihr ein menschlicheres Gesicht geben können. Für eine solche „Selbstverpflichtung“ braucht es übrigens kein Neujahrsfest: damit kann man jeden Tag, jede Stunde beginnen.

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