Vom Wert der Unterbrechung (Juni 2023)

Vor Jahren sah ich Menschen über das Wasser gehen. So wie damals Jesus, als er den in Not geratenen Jüngern zu Hilfe kam. Sehr verwundert fragte ich mich, wie das möglich sei – bis ich das Brett sah, auf dem sie standen, und das Paddel, mit dem sie sich weiterbewegten.
Mittlerweile bin ich selber begeisterter stand-up-Paddler und freue mich, diesen Sommer wieder meiner neuen Leidenschaft nachgehen zu können.

Auf einem Boot oder eben einem Board über das Wasser zu gleiten, die gleichmäßigen Schläge der Ruder zu hören, das leise Rauschen der Wellen; die Sonne, der Wind, die frische Luft: das ist für mich der Inbegriff des Urlaubs, des Ausspannens, der Erholung.

Wieder zur Ruhe zu finden, die Anspannung der vergangenen Monate hinter mir zu lassen, die Routine der Alltagsgeschäfte zu unterbrechen: wie gut tut das – und wie wichtig ist das für die eigene Kreativität.

Die Bibel berichtet schon in ihren ersten Kapiteln vom Wert der Unterbrechung. Die erste Schöpfungsgeschichte der Bibel endet mit einer Selbstunterbrechung Gottes: Nach sechs Tagen, in denen er so vieles erschaffen hat, hält Gott inne, um auszuruhen, um zurückzublicken („siehe, es war sehr gut“) und vorwärts zu schauen.

In dieser Unterbrechung Gottes liegt eine tiefe Weisheit: Das schöpferische Handeln braucht das Innehalten, um zum Ziel zu kommen. Es braucht die freien Zeiten, um wieder neu aufbrechen zu können. Um körperlich und geistig zu regenerieren. Um mit Abstand über das Leben nachzudenken und offen zu werden für neue Pläne.

So wünsche ich Ihnen allen, dass Sie Ihre eigene Art der Erholung finden – erfüllt von  Gottes Größe und Herrlichkeit.

Abt Nikolaus Poch OSB

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