Weihnachtsgruß von Abt Nikolaus (24. Dezember 2022)

Unter den vielen Krippendarstellungen, die mir in den vergangenen Wochen begegnet sind, gefällt mir diese besonders. Sie stammt von der Tochter eines Schulfreundes: Philippa hat sie (letztes Jahr bereits) im Kindergarten im wahrsten Sinne des Wortes mit Händen und Füßen „gemalt” – eine, wie ich finde, geniale Idee!
Ich kann mir gut vorstellen, mit welcher Begeisterung sich das Mädchen Farbe auf die Hände und Füße geschmiert hat. und wie schließlich Schritt für Schritt mehr von dem Motiv der Geburt Jesu im Stall von Bethlehem sichtbar wurde: Ochs und Esel mit den Händen, Josef, Maria und der Engel jeweils mit Füßen. Im Zentrum das Kind in der Krippe, darüber der Stern. Sehr nett!
Mittlerweile habe ich bei mehreren Personen den freudigen Überraschungseffekt miterlebt, als sie – zeitverzögert nach mehreren Blicken – erkannt haben, was man mit Händen und Füßen alles machen kann. Für mich drückt dieses Bild jedenfalls eine große Freude aus.
Im zweiten Korintherbrief schreibt der heilige Paulus: „Wir wollen nicht Herren über euren Glauben, sondern Diener eurer Freude sein, weil wir fest im Glauben verwurzelt sind!“ (2 Kor 1,24)
Die Freude scheint mir eine ganz wesentliche Dimension der christlichen Botschaft gerade in unseren Tagen zu sein: Coronakrise, Klimakrise, Wirtschaftskrise, Krieg in der Ukraine… kaum schlägt man die Zeitung auf, kaum drehen wir Radio oder Fernseher auf oder schauen ins Internet, werden wir überflutet mit katastrophalen Nachrichten. Dieser Dynamik kann man sich kaum entziehen – tatsächlich wäre es unverantwortlich, Augen und Ohren zu verschließen vor den großen Herausforderungen, vor denen die Menschheit steht.
Zugleich aber erscheint es mir extrem wichtig, sich offene Sinne zu bewahren für das Schöne und Gute, das es in unserer Welt gibt. Für das Wunderbare dieser Schöpfung. Als Christ sage ich darüber hinaus: für die große Freude, die Gott uns in Jesus Christus schenken will. Für die frohe Botschaft der Liebe Gottes, die alles Dunkle zu erhellen vermag.
Das Leben des Jesus von Nazareth ist gleichsam die Liebeserklärung Gottes an uns Menschen. Seine Geburt ist die Erfüllung einer uralten Verheißung: Immanuel – Gott mit uns.
Damit jedoch das Weihnachtsevangelium nicht nur eine nette Geschichte von vor zweitausend Jahren bleibt, braucht es unsere Hände und Füße – auch das macht diese Krippendarstellung sichtbar. Unsere Phantasie ist gefragt, unsere Intelligenz, unsere Kreativität, unsere Bereitschaft, unsere Treue, sicher oft auch unsere Mühe, uns für die göttliche Botschaft einzusetzen.
Immer wieder erstaunlich finde ich, dass jeder Mensch einen unverwechselbaren Fingerabdruck hat. und ganz eigene Hände. Wir sind nicht einfach Massenware, Klone: jeder ist ein Original. Dadurch gewinnt auch die Botschaft von der Menschwerdung Gottes unendlich viele Facetten in der Unterschiedlichkeit derer, die an ihn glauben.

In diesen Tagen wünsche ich Ihnen/euch zum einen, dass ihr selbst ganz von der Freude des Weihnachtsfestes durchdrungen werdet. und zum anderen, dass ihr erkennt, wie ihr selbst dazu beitragen könnt, diese Freude Gestalt werden zu lassen. Mit euren Händen und euren Füßen, Körper und Geist, mit Phantasie und Freude, mit eurer ganzen Persönlichkeit!

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