„Wie schön, dass du geboren bist…“

Zu Beginn der Quadragesima, der 40 Tage vor dem Osterfest, treten die Christen am Aschermittwoch nach vor, um das Zeichen des Aschenkreuzes zu empfangen. Gebrechliche Menschen, von Krankheiten gezeichnet, stehen in einer Reihe mit Menschen im blühenden Jugendalter. Menschen am Stock zwischen solchen mit blinkenden Turnschuhen. Ganze Familien in einer Reihe mit Alleinstehenden. Nachdenkliche mit Übermütigen …

Ja, das vereint alle: dass unser Leben – früher oder später – ein Ende haben wird. „Bedenke, Mensch, dass du Staub bist, und wieder zu Staub zurückkehrst.“

Zu Beginn der Vorbereitungszeit auf das Fest der Auferstehung Jesu schauen wir im Bild der grauen Asche der sichersten Tatsache unseres Lebens ins Auge: Dass wir sterbliche Geschöpfe sind. Niemand von uns wird dem Tod je entrinnen können. Jeder von uns wird sterben. Lediglich der Zeitpunkt ist ungewiss.

Was wir im Alltag meist erfolgreich verdrängen, wird uns mit diesem Zeichen in aller Deutlichkeit bewusst. und verweist damit auf die Kostbarkeit unserer Lebenszeit. Auf die Bedeutsamkeit des gegenwärtigen Augenblicks. Auf die Tiefe all unserer Entscheidungen.

Mit dem Wissen um unsere Begrenztheit, in Unsicherheit und mit unseren Ängsten, gehen wir dem Osterfest entgegen. Zugleich mit dem Auftrag in Freiheit das eigene Leben zu gestalten. und mit der Zusage des Glaubens, dass die Bewegung der Auferstehung Jesu, vom Tod in das Leben, unsere eigene Existenz umfasst. Ostern: das Fest der Erlösung. Das Fest des Lebens, das stärker ist als der Tod.

„Wie schön, dass du geboren bist, wir hätten dich sonst sehr vermisst“, singen die Kinder im Kindergarten, wenn eine/r von ihnen Geburtstag hat.

Ich glaube fest, dass auch Gott jedem von uns dies zusagt. und dass diese Botschaft durch das Zeichen des Aschenkreuzes nicht zurückgenommen, sondern – ganz im Gegenteil – im wahrsten Sinne des Wortes „unendlich“ vertieft wird: Wir endliche Geschöpfe in unserer brüchigen Existenz – von Gott unendlich geliebt und zum Leben gerufen!

Abt Nikolaus

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