Ein Anruf von P. William, dem stellvertretenden Direktor von Glenstal Abbey School, genügte und schon öffneten sich die Türen für einen Besuch von P. Sebastian Hacker OSB in der Secondary School der Ursulinen in Thurles. P. Williams Tante ist ehemalige Schuldirektorin und lebt als Schwester im Orden der Ursulinen, der von der Hl. Angela Merici Mitte des 16. Jh. in Norditalien gegründet worden war.
Die Aufgabe der geistlichen Schwestern ist über Jahrhunderte dieselbe geblieben: die Erziehung und Bildung von Mädchen und jungen Frauen. Die gute, christlich geprägte Ausbildung künftiger Mütter, Politikerinnen, Künstlerinnen, Unternehmerinnen sollte die Grundlage für eine bessere Gesellschaft bilden. 1787 konnten sich die Ursulinen mit Erlaubnis der protestantischen Regierung in Irland, Thurles, im County Tipperary niederlassen. Dieses County war übrigens „Rekrutierungszentrum“ für irische Mönche, die im Mittelalter in Klöstern auf dem Festland Europa leben wollten.
Die traditionsreiche Schule der Ursulinen liegt neben der Kathedrale, die erst nach der sog. „Katholischen Emanzipation“ (1824) über der Kirche der Ursulinen gebaut werden konnte. Kloster und Schule sind etwa eine Autostunde von Glenstal entfernt. Einige Schwestern von Glenstalschülern besuchen Volksschule und Gymnasium der Ursulinen, die für über 1000 Schülerinnen Verantwortung tragen. So wie von den Benediktinern in Glenstal nur Buben unterrichtet werden, gehen nur Mädchen zur Schule der Ursulinen. Sie liegt in einer Stadt mit 9.000 Einwohnern, die über insgesamt 4 Volksschulen, 2 Gymnasien für Mädchen, eines für Buben und ein koedukatives Gymnasium verfügt. In diesen Schulen praktizieren die Pädagogikstudenten des örtlichen Colleges für Lehrerausbildung.
Das Schulsystem in Irland gliedert sich in zwei Etappen: Primary School (4-12 Jahre), Secondary School (13-18 Jahre). Vor den letzten beiden Jahren kann ein Transition Year eingelegt werden, in dem kein regelmäßiger Unterricht stattfindet. In diesem Jahr können die Schüler an internationalen Austauschprogrammen teilnehmen. Glenstal veranstaltet auch eine Wallfahrt nach Santiago de Compostella. Die Schüler besuchen Spezialkurse z.B. technischer Richtung, Erste Hilfe, Arbeitssicherheit (richtiges Heben von schweren Gegenständen), Barkeeping und erhalten Zertifikate. Sie absolvieren Berufspraktika u.a. in Kanzleien, Kaffeehäusern, Hotels und werden bezüglich der Wahl der Fächer für die letzten beiden Schuljahre beraten. Man wählt mindestens sechs Fächer, wobei die Noten der Abschlussprüfungen für die Aufnahme in die Universitäten angerechnet werden. Das Transition Year ist im Benediktinergymnasium Glenstal verpflichtend, bei den Ursulinen in Thurles wahlweise möglich.
Die Schule der Ursulinen sieht im ersten Schuljahr vor, dass die 12-jährigen Schülerinnen sieben Wochen lang alle Fächer besuchen, von denen sie danach zehn auswählen. So können sie in dieser Zeit u.a. Französisch und Deutsch „schnuppern“. Die beiden Sprachen sind zahlenmäßig gleich unter den Schülern beliebt. Mit der Ursulinenschule im französischen Nantes besteht ein Schüleraustausch. Die Kontakte zu einer bayrischen Schule hörten seit der Karenz der betreuenden Deutschlehrerin auf. So wurde die Einladung des Schottengymnasiums beim spontanen Besuch vom P. Sebastian in Thurley gerne angenommen. Schon 2027 werden in den Wochen vor Ostern Schülerinnen aus Wien erwartet, die in der Osterzeit irische Mädchen aufnehmen werden.
Die Direktorin der Schule Triona Gleeson – auf dem Bild stehend mit der Leiterin des Internats und rechts der vormaligen Direktorin, der Ursulinenschwester Berchmans (benannt nach dem Jesuitenpater Johannes Berchmans) – schätzt das internationale Interesse der Schülerinnen. Sie war gerade von einem internationalen Schultreffen der Ursulinen in Indonesien heimgekehrt. Zum Gespräch mit dem Gast aus dem Schottengymnasium bat sie die Vizedirektorin Nora Tuohy und die Lehrerin für Deutsch und Französisch Erica Flanagan (auf dem Bild sitzend).
Mrs. Gleeson engagierte die achtzehnjährige Ella, P. Sebastian durch die Schule zu führen. Sehr engagiert und begeistert von ihrer eigenen Schule zeigte sie einige Klassenräume, die Turnhalle, Werkstätten für Elektronik, den Chemiesaal, den Kunstraum, das hölzerne Gebetshaus, den „Calm Room“ zur Beruhigung für gestresste Schüler, das Besprechungszimmer des „Guidance Counsellors“ für Schüler, die unter starken Herausforderungen stehen, die Bibliothek, den Raum für gemeinsames Studium, die Umweltschutzklassen, den Hockeyplatz und das „Gym“.
Für die 780 Tageschülerinnen und 130 Internatsschülerinnen („boarding“ von Montag bis Freitag) sind keine eigenen Klassen vorgesehen. Sie wandern zu den Fachräumen der Lehrer. Heuer wurden 144 Schülerinnen in die ersten Klassen aufgenommen. Das Gelände der Schule wirkt nach außen hin so unaufdringlich, wie es nach innen weitläufig ist. Die Schülerinnen zahlen kein Schulgeld für den Unterricht, die Internatsschülerinnen entrichten für Verpflegung und Unterkunft 8.000 EUR pro Jahr. Der Staat entlohnt die Lehrer.
Bemerkenswert ist das Interesse der Schülerinnen für Musik – eine eigene Musikschule auf dem Schulterritorium ist gut besucht -, für die Teilnahme an mehreren Chor- und Orchestergruppen, für die Teilnahme an den jährlichen Musicalaufführungen Ende Oktober. Aber sie begeistern sich auch für technologische Fächer, die seit etwa 20 Jahren angeboten werden. Für eine elektronische Schrankenanlage wurden die Mädchen bereits irlandweit ausgezeichnet.
Bei all den reichen Studienangeboten merkt man, wie der menschliche Aspekt gemeinsamen Lernens präsent ist. So steht auf einem Gang in großen Lettern gemalt: „Laughter ist the sound of the soul dancing.“
Der Gruß der Sekretärin beim Betreten der Schule bleibt in Erinnerung „You are very welcome!“ und wird auch den Schottenschülerinnen den Einstieg in ein ganz anderes Schulsystem angenehm machen.
